Gib jetzt nicht auf!

„Wenn wir aufrichtig wollen zu unserem Schöpfer zu kommen, dann müssen wir gemäß dem geistlichen Gesetz daran arbeiten, unsere Seelen von ihren Leidenschaften zu befreien. Wegen unseren bösen Taten, wegen Nachgeben den Leidenschaften, wegen vielerlei teuflischen Versuchungen ist die Kraft unseres Verstandes schwach geworden und die guten Züge unserer Seelen erstarrten. Wegen der Leidenschaften, die wir befriedigen, sind wir nicht mehr fähig die Schönheit und das Verlangen unserer geistlichen Natur zu erkennen. Und es gibt für uns keine andere Rettung, als nur in Jesus Christus, unserem Herrn, wie es auch der Apostel Paulus schreibt: „So wie in Adam alle sterben, so in Christus werden alle lebendig“ (1 Kor 15,22). Unser Herr Jesus Christus ist das Leben der ganzen bewussten und denkenden Schöpfung, die nach Seinem Abbild geschaffen worden sind.

Wir nennen uns mit den Namen von Heiligen und sind in ihre Kleidung eingekleidet, mit der wir uns rühmen vor den Ungläubigen. Aber der Fleiß ihnen auch nachzuahmen haben wir nicht. Ich befürchte, dass die Worte, die der Apostel gesagt hat, auch für uns wahr werden können: „die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen“ (2 Tim 3,5). Möge Gott euch helfen zu erkennen, was ist das für ein Leben, das ihr empfangen habt, damit ihr in ihrem Geiste handelt, damit ihr würdig werdet, das unsichtbare Erbe zu empfangen. Mit so viel Kraft wie ihr nur habt, handelt in allem dem Willen Gottes entsprechend – das ist das, was wir machen müssen! Weil in der Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu handeln unserer Natur entspricht und darüber hinaus braucht man von den Tugenden nichts mehr verlangen. Wer Gott dient und Ihn sucht, der handelt seiner Natur entsprechend. Und wer sündigt, der verdient Tadel und Zucht, weil er etwas macht, was seiner Natur widerspricht“ (hl. Antonius der Große, Philokalia, russ. 35-36).

Nur derjenige, der die ersten, wackeligen Schritte auf dem Weg der Metanoia gemacht hat, wird wissen, wovon der hl. Antonius hier spricht. Wie schwach und widerspenstig ist unser Verstand geworden, wie ungehorsam sind unsere Gedanken, was schwer ist es, uns sogar für wenigen Minuten auf Gott und Gebet zu fokussieren und zu konzentrieren. Geistlich und mental gesehen sind wir dem Mann in Bethesda (Joh 5) ähnlich,  der schon 38 Jahre von Schwachheit gelähmt ist. Er sieht wie die Engel das Wasser bewegen, er sieht die Chance gesund zu werden – aber er ist zu schwach. Er kann nicht ins Wasser kommen. So liegt er nur ein paar Meter von seiner Erlösung, vom ganz neuen und gesunden Leben entfernt. Aber was hilft das ihm? Erst wenn der Herr kommt und ihn heilt, beginnt das Leben voller Kraft für diesen Menschen. Oder wie der Lazarus, der zwar zurück zum Leben gerufen wurde, ist aber immer noch mit den Leichtüchern an Händen und Füßen und Kopf gebunden, so dass er einerseits wieder lebt, kann sich aber weder frei bewegen noch sehen oder sprechen. Und erst als der Herr spricht und sagt, Lazarus möge befreit werden, kann er sich bewegen und sehen und sprechen. Aber alle diese Menschen machten alles, was in ihrer Kraft war, um den Willen Gottes zu erfüllen. 38 Jahre lang versuchte der Kranke ins Wasser zu kommen, als die Engel es bewegt haben. Er kam immer zu spät. Aber er gab nicht auf. Und jedes Mal versuchte er das. Und Lazarus, wie unbequem es für ihn auch war, horchte auf die Stimme Gottes und versuchte sein Grab zu verlassen, auch wenn er immer noch an Händen und Füßen gebunden war. Und so müssen auch wir niemals aufgeben, den Willen Gottes zu erfüllen. Wir fallen immer wieder, aber das ist nicht das Problem, denn so lange wir noch leben, können wir uns umkehren und Buße tun – und vergeben werden. Denn Gott eilt sich Seine Kinder von jedem Schmutz zu reinigen, wie eine liebende Mutter es auch macht. Wir müssen nur unsere Sünden aufrichtig bekennen, uns umkehren, die Orte und die Situationen, die uns zum Fall bringen weiträumig meiden. Das lernen wir auch. Denn jede Sünde ist immer Schmutz und Wunden. Waschen wir sie nicht rechtzeitig ab, drängt sie unter die Haut, kommt ins Organismus und verursacht Krankheiten und Tod. In der Sünde zu bleiben, nicht einmal zu versuchen von ihr zu heilen, das ist tödlich, das ist das echte Problem.

Wir müssen lernen, alles was wir denken, alles was wir machen und sprechen, in der Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu machen. Denn der Wille Gottes ist gütig und vollkommen. Wir müssen unseren Verstand trainieren und üben, bis wir von unserer Schwachheit geheilt werden, bis wir wieder stark in unserem Herrn Jesus Christus werden. Und das dürfen wir wissen: Gott lässt Seine Kinder niemals ohne Antwort und ohne Hilfe. Er eilt zu uns wenn wir Ihn rufen. Er liebt uns. Und Ihn zu lieben und mit Ihm zu leben und Seinen heiligen Willen zu erfüllen ist genau das, wofür wir auch geschaffen wurden. Alles anders macht im Leben einfach keinen Sinn. Weder in diesem noch in der Ewigkeit. Wenn wir bloß uns selbst erkennen, uns selbst finden, werden wir das verstehen, erkennen und gleichzeitig Gott und den Sinn des Lebens finden. Erkenne dich selbst! Gib jetzt nicht auf! Denn die Hilfe Gottes ist da, um dir zu helfen, zu heilen und zu erlösen.

 

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