Warum ist es schwer für einen Reichen ins Himmelreich zu kommen

Jesus Christus lehrt, dass es so gut wie unmöglich für einen reichen Menschen ins Himmelreich zu kommen. „Für den Menschen ist es unmöglich“, spricht der Herr. Das Himmelreich gehört den „Armen im Geiste“, den Menschen, die so wie die Kinder geworden sind. „Es sei denn, dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Aber wo ist das Problem mit den reichen Menschen und warum müssen wir wie die Kinder werden, um in das Himmelreich zu kommen? Wer ist ein „reicher Mensch“?

Nun, das Problem mit dem reichen Menschen ist, dass er schon viel zu viel mit den anderen Dingen beschäftigt ist. Er muss viele Sachen erledigen, er muss sich um viele Sachen kümmern. Der Reichtum, wie wir es wissen, ist wie ein Schneeball – es muss immer größer werden, sonst löst es sich auf. Gier spielt dabei natürlich auch eine sehr große Rolle. Und Stolz. Man will immer „höher“ kommen, immer mehr „sich leisten können“, immer mehr Komfort und Bequemlichkeit erriechen. Man ist gezwungen sich immer mit den anderen Menschen zu vergleichen und so wie auf einer Rennbahn, zu versuchen immer größeren Abstand von den anderen zu gewinnen, mit allen Kräften nach Vorne zu kommen, andere Menschen und veraltete Dinge zu überholen. Der Talmud lehrt, dass wenn wir das menschliche Auge, (das Gier), auf den einen Waageschale legen und den ganzen Reichtum der Welt auf den anderen, wird das Auge alles überwiegen.

Ein reicher Mensch ist eigentlich jeder, der sich mehr mit den weltlichen als mit den göttlichen Dingen beschäftig, jemand, der so lebt, als er auf der Erde ewig leben würde und als ob es keine Ewigkeit gebe. Gott ruft dagegen Seine Kinder wie „Vorübergehenden“ in diesem Leben zu sein. Wie Reisende, die hier nur für eine kurze Zeit sind zu leben. Ein guter Reisender weiß wie wichtig ist es, sein Gepäck so leicht wie möglich zu machen, wenn er es immer selbst tragen muss.  Das eigentliche Problem liegt eigentlich nicht darin, was man besitzt – wobei wir können in diesem Leben gar nichts besitzen, nicht einmal uns selbst und schon gar nicht unser Leben – sondern welche Priorität die irdischen Angelegenheiten haben. Irdisch bedeutet das „Äußere“. Und mit dem Äußeren versucht der Mensch immer wieder das Innere zu kompensieren, was natürlich gänzlich unmöglich ist. So baut man ein großes Haus und übersieht dabei, dass das Familienglück nicht von der Hausgröße abhängig ist. Das Glück kann man nur mit sich bringen, man wird es mit den äußeren Umständen niemals erzeugen. Man kauft sich bestimmte Kleidung, um seinen äußeren Zustand den anderen zu signalisieren. Aber alles was die anderen Menschen sehen ist und bleibt seine Kleidung und nicht er selbst. Komischerweise, je reicher man wird, desto unglücklicher wird man auch. Denn die äußeren und vergänglichen Dinge werden sein Leben früher oder später ruinieren, wie die Motten seine Kleidung.

Der Mensch „kleidet“ sich in die materiellen Dinge ein, in seine äußerlichen Erfolge und Ehrentiteln, sie werden zu einem Mantel, der seinen wahren und inneren Kern von den anderen verbergen, ihn unsichtbar machen. Die weltliche Liebe, die natürlich keine Liebe ist, sieht auch nur die äußeren Dinge. Der Mensch wird von dem anderen nur noch sehr selten erkannt. Und ohne den anderen Menschen zu erkennen, kann weder Liebe und Freundschaft geben.

Die meisten reichen Menschen leben nur auf der Erde und zeigen ganz deutlich mit ihrem Leben, dass sie am Himmelreich gar keine Interesse haben. Vielleicht eben deswegen wird für sie ins Himmelreich zu kommen, weil sie es gar nicht wollen, dort zu sein. Und was wäre das auch für eine Gesellschaft, in der sie sich in der Ewigkeit abfinden müssen? Arme Menschen, reumütiger Sünder, Kranken und Verstoßenen, die „Verlierer“ dieser Welt, die beim Herrn ihre Heilung und Erlösung gefunden haben. Menschen, die alles aufgegeben und auf alles verzichtet haben, um Christus zu folgen. Denn auch Christus sagt: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer verliert sein Leben um Seinetwillen, wird es retten. Im Himmelreich gelten die „umgekehrten Gesetze“ – wer in der Welt verliert, der gewinnt. Ins Himmelreich kommen Menschen, die Christus so sehr geliebt haben, dass sie eher gefoltert und hingerichtet werden wollten, als ihre große Liebe zu leugnen und zu verlieren. Weil das Leben ohne ihren Geliebten, ohne Christus, es nicht wert war, zu leben. Diese Menschen haben alles, was sie hatten, den Armen und Bedürftigen gegeben, sie haben sich veräußert, sie haben ihr ganzen irdischen Besitz in die himmlische Bank investiert – sie haben hier auf der Erde die himmlischen Schätze gesammelt. Und wenn sie „die Perle vom großen Wert“ gefunden haben, waren sie bereit alles zu verkaufen, um nur diese Perle – Christus – zu haben. Wie würde ein reicher Mensch, der immer versuchte sich von den anderen Menschen zu trennen und sich von den anderen Abzugrenzen, in so einem Himmelreich sich fühlen? Und so erwählt für sich der Reiche ganz freiwillig die Hölle – wo er auch weiter unter der selben Art von Menschen die Ewigkeit verbringen wird – gierigen, hassenden, konkurrierenden, wo jeder „besser“ als der andere sein will, wo jeder versucht die „Konkurrenz abzuschießen“, bereit ist über die Leichen zu gehen, um nach vorne zu kommen. Ein Ort, wo keine Liebe, kein Mitgefühl gibt. Nur Konkurrenz und Wettbewerb und sich mit den anderen Menschen zu vergleichen. Ein Ort, an dem Menschen für einander keine Zeit und kein Ohr haben – sie sind alle furchtbar beschäftigt, ihr Geschäft muss ja weiter gehen und sie müssen dafür sorgen, dass sie ihr Lebensstandard erhalten können und bloß nicht nach unten abrutschen.

Und die Bedingung ins Himmelreich zu kommen ist, Gott den Herrn mit dem ungeteilten, ganzen Herzen, ganzer Seele, ganzer Kraft und ganzem Verstand zu lieben. Und seinen Nächsten wie sich selbst. Ein reicher Mensch hat im besten Falle dafür einfach keine Zeit. Aber die Armen im Geiste haben Zeit und Möglichkeit. Sie sind frei, weil sie nichts zu verlieren haben. Sie haben nichts, also müssen sie auch nichts verteidigen. Alles wird ihnen von Gott geschenkt. Und deswegen sind sie frei zu lieben, sie selbst zu verschenken und geliebt zu sein – denn Gott sie zu Seine Kinder gemacht. Diese Menschen sind verliebt in Gott, weil Gott auch in sie verliebt ist. Am Anfang schenkte Gott dem Menschen Sein Paradies, Seine Welt, mit allen Bergen und Meeren, Wäldern und Feldern, Tieren, Fischen, Wasserfällen. Und danach schenkte Gott dem Menschen Sich Selbst – indem Er, der Schöpfer des Universums uns sich Selbst als kleines, hilfloses Kind, geboren in Bethlehemer Krippe, anvertraut hat. Und später für uns gestorben und auferstanden ist.

Fortsetzung folgt …

 

 

 

 

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