Christ als lebendiges Opfer

Der heilige Apostel Paulus schreibt an die Christen in Rom: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm 12, 1-2). Und so schreibt Pawel Florensky: „Der Apostel ermahnt Christen ihre Leiber Gott zu opfern. Sich zu opfern bedeutet der Dienst des Wortes, Menschen die Gabe des Wortes empfangen können und damit als Zeugen der Wahrheit dienen können. Denn der Christ spricht mit seinem Leib. Der Apostel erklärt ferner auch, was das bedeutet, sich als Opfer Gott zu bringen. Das bedeutet natürlich nicht das äußere Märtyrertum, im modernen Sinne des Wortes – Folter und Tod. Allein deswegen, weil zum Märtyrertum die Christen verurteilt werden, das Märtyrertum in diesem Sinne wird für die Christen von den Menschen entschieden, die sie für diese Art des Todes verurteilen und ihre Verurteilung ausstrecken. Das hängt deswegen nicht von einem Christen ab, seinen Leib für diese Art des Märtyrertums zu bringen oder nicht. Das, was jedoch von jeden Christen abhängig ist, ist dem Worte des hl. Apostel gehorsam zu sein und es zu erfüllen: „Und seid nicht gleichförmig dieser Welt“. Seid nicht „ähnlich“ dieser Welt. Was der Apostel sagt: „Habt keine gemeinsame Schema mit dieser Welt, habt keine gleiche Art des Seins mit dieser Welt, lebt nicht so wie diese Welt in ihrem derzeitigen Zustand lebt“. Das ist eine negative Formulierung – was wir nicht tun sollen. Die positive Formulieren – was wir tun sollen – ist: „sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes“ – „álla metamorphosthe“, verändert, verklärt, verwandelt die Art des Seins, das Gesetz, die kreative Form. Und was verwandelt die weltliche Form in die verklärte, geistliche Form des Lebens und des Seins? Der Apostel spricht: Verwandelt euer Denken. Die Verwandlung und die Verklärung des Leibes erreichen wir durch die Verwandlung und die Verklärung des Sinnes – als Kern des menschlichen Seins. Als Zeichen für den erneuerten Sinn dient die Prüfung des Willen Gottes. Mit den anderen Worten, den eigenen Leib als Opfer Gott zu bringen bedeutet die geistliche Feinfühligkeit in der Erkenntnis des Willen Gottes – das Gute und Wohlgefällige („agathon“) und Vollkommene“.

Deswegen ist die Umkehr – „Metanoia“ – die tiefe und radikale Veränderung und die Umkehr des gesamten Denkens des Menschen, seiner Wahrnehmungen, seines Sinnes ist der allererste Schritt auf dem Weg der Nachfolge Christi ins Himmelreich, das unter uns und in uns ist, und ist gleichzeitig der lebenslange Prozess. In diesem Prozess wird unsere Seele gereinigt und geläutert – und Gott erfüllt sie, so viel, wie sie es nur fähig ist zu empfangen. Das beginnt eine lebenslange und die spannendste aller Reisen – der Weg mit Gott, der Weg der Nachfolge Christi. Das ist der Weg der Liebe, denn wir der hl. Gregor von Nyssa schreibt: „Die Erkenntnis verwandelt sich in die Liebe“. Das ist so wahr und nicht nur im Bezug auf die Beziehung mit Gott, sondern auch auf jede zwischenmenschliche Beziehung – erst wenn wir den anderen Menschen erkannt haben, können wir auch sagen, dass wir ihn lieben.

„Jeder Mensch wird gerettet entsprechend den geistlichen Umständen seiner Zeit“, lehren die Starzen vom Berg Athos. Das ist der Grund, warum auch heute das monastische Leben nicht nur in sich selbst schließen darf und sich um den Rest der Welt nicht zu kümmern. Eine der wichtigsten Aufgaben des Mönchstums heute ist den Menschen dort abzuholen, wo er ist, ihm zu helfen, ihn so anzunehmen, wie er ist. Der fatalste Fehler, den viele monastischen Gemeinschaften heute machen ist jedoch die, dass sie selbst weltlich werden und an die weltlichen Mittel greifen. Und kein Wunder, dass sie auch so teuer dafür bezahlen und ein Kloster nach dem anderen wird geschlossen, es kommen keine neuen Menschen. Kein Wunder. Menschen die eine monastische Berufung in sich verspüren wollen keinesfalls in einem Kloster dieselbe Welt finden, die sie so eifern sind zu verlassen. Das Kloster ist ein Krankenhaus der Seele, wie es vielen heiligen Vätern nennen. Hinter seinen Wänden müssen die Krankheiten der Seele behandelt und geheilt werden, nicht verbreitet und akzeptiert. Das Kloster heute ist immer noch ein Ort, an dem das Volk Gottes geformt wird, wo es wächst. Mit dem tiefsten Verständnis dessen, dass der Wille Gottes ist, die Welt zu retten. Gott will die Rettung von so vielen Menschen wie überhaupt möglich. Er will nicht dass sogar ein einziger verloren geht. Deswegen dürfen die klösterlichen Gemeinschaften auch nicht sich in die elitären Clubs verwandeln, die sich (wenn überhaupt) nur um ihre eigene Rettung kümmern. „Du sollst um die Rettung anderer Menschen mindestens genau so eifrig beten, wie über deine eigene“ schreibt hl. Johannes von Kronstadt. Wer die Welt verlässt und ein Mönch wird, wird es nicht weil er die Welt hasst. Er verlangt viel mehr danach, die Sünde und die weltliche Wahnsinn zu verlassen. Und im Kloster die Begleitung zu finden und das Leben zu leben, das erlaubt Gott seine Seele zu reinigen und in ihm das Licht des Ewigen zu entzünden, damit „es allen leuchtet“ (Mt 5,16).

Ich denke, dass das Kloster in unserer Zeit schon wieder eine entscheidende Rolle spielen wird – die Welt ist voll mit Versuchungen und mit den Gelegenheiten die an die Sünde führen. Für einen Menschen, der sich wirklich um seine Seele und um ihre Rettung kümmert in der Welt zu bleiben und versuchen christlich zu leben und Christus zu folgen bedeutet mehr oder weniger mit den Windmühlen zu kämpfen. Wir brauchen deswegen dringend die Worte, wo das christliche Leben sich frei entfalten kann, wo die zarte Pflanze der Umkehr nicht sofort einbetoniert wird. Es ist wahnsinnig, ein Säugling auf der Straße allein zu lassen und von ihm erwarte, es komme schon klar, es sei nicht so schlimm. Genau das passiert, wenn die Menschen heute versuchen die ersten Schritte der Nachfolge Christi und der Umkehr in der Welt zu gehen. Das Kloster wird schon wieder zum Zentrum der seelischen Gesundheit, der Seelsorge im feinsten Sinne des Wortes, zum Zentrum des Lernens und des Betens und der sinnvollen Arbeit – in der Körper, Seele und Geist integriert sind und harmonisch bleiben – das ist der Weg zur Ganzheit des Menschen. Ein Ort, an dem der einzig gute Wille erkannt wird und an dem die Menschen sich tatsächlich als lebendige Opfer Gott bringen und als lebendige Steine im Tempel, im Leib Christi eingepflanzt werden.

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