Kirche und der Weg zu Gott

Kirche ist die eucharistische Versammlung von Berufenen. Diese Menschen haben die Frohe Botschaft gehört und angenommen und haben ihr auch gefolgt. Sie glauben an Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde, von allen sichtbaren und unsichtbaren Dingen. Sie glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes. Er ist das Leben, die Wahrheit und der Weg. Das ist vielleicht einer der wichtigsten Unterschiede zwischen dem Christentum und allen anderen Religionen. Für einen Christ sind Leben, Wahrheit und Weg nicht „was“ sondern „wer“. Und dieses Glaubensbekenntnis bedeutet immer eine persönliche Begegnung und daraus folgende persönliche Beziehung. An „was“ kann man intellektuell glauben, darüber nachdenken und so weiter. Ein „wer“ verlangt aber immer eine Begegnung, die den Menschen gänzlich involviert. Vielleicht deswegen ist das allererste und allerwichtigste Gebot Gott zu lieben mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele, unserer ganzen Kraft und unserem ganzen Verstand. Gott lieben. Nicht all das, was Gott uns täglich schenkt. Sondern Ihn selbst zu lieben – mehr als alles anderes.

Eben diese persönliche Bewegung mit der personifizierten Wahrheit allein kann den Menschen zur Umkehr bewegen.  Wir kehren uns um, wir machen einen U-Turn auf unserem Lebensweg, weil wir erkannt haben, dass unser Weg uns von Gott entfernt, statt an Ihn zu führen. Das erklärt die Natur der Sünde, die immer eine Illusion ist. Wir nehmen uns etwas und glauben, dass das uns glücklich machen kann. Aber das macht uns niemals glücklich. Eine Sünde ist immer etwas, was am Endeffekt sich nicht lohnt. Eine Täuschung, eine Illusion, eine Lüge. Wer Christus begegnet hat, der hat die Wahrheit begegnet. Und wendet sich natürlich von der Lüge und von der Illusion – von der Sünde – ab und folgt der Wahrheit – Jesus Christus. Und Er führt den Menschen in Seine Kirche, die nichts anders als Sein eigener Leib ist. Menschen, die alle sehr unterschiedlich sind, kommen und werden ganz natürlich und organisch zum Teil Seines Leibes, nicht weil sie gemeinsam an ein Dogma geglaubt haben, sondern weil sie alle, gänzlich unabhängig von einander, dieselbe persönliche Begegnung mit Christus hatten. Diese Begegnung ist immer eine persönliche Begegnung, weil Christus eine Person ist. „Kollektiv können nur Irrlehren, Verurteile und Phobien sein“, schreibt Vater Georgi Chistiakov, „Wahrheit, dagegen, ist immer persönlich“. Aber diese persönliche Erfahrung bringt diese Menschen in eine kollektive Glaubens- und Schicksal -Gemeinschaft zusammen. Erst zusammen werden sie zur Glieder Seines Leibes, zum heiligen und erlösten Volk Gottes.

Die Tragödie unserer Zeit liegt hauptsächlich darin, dass der Mensch heute nicht Gott entdeckt, sondern für sich seine Religion „wählt“ , wie Cornflakes in einem Supermarkt. Die Religion für den modernen Menschen eröffnet sich nicht in seinem Inneren. Sie ist für ihn viel mehr ein Teil der äußeren Welt und nicht seiner Seele. So fasste das C.G. Jung zusammen: „… der Mensch versucht für sich eine Religion auszusuchen, wie er sonst seinen Sonntagskleid aussucht, um es am Ende wieder auszuziehen und wegzuwerfen wie ein altes Kleiderstück“. Während der moderne Mensch für sich eine Religion auswählt, die für ihn am besten passt, die seiner eigenen Überzeugungen und eingeeigneten Mustern nicht widerspricht sondern am besten sie bestätigt, ihm dient und am besten von ihm gar nichts abverlangt, war die Situation mit den Aposteln ganz anders. Auf die Frage Christi, ob seine Apostel Ihn verlassen wollten, antwortete Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6,68).

Religion als Ritus, als ein Brauch, als etwas Zeitliches und Historisches ist verurteilt auf den Untergang, schreibt weiter Vater Georgi Chistiakov. Es sieht gänzlich anders mit dem freien, lebendigen und absurden Glauben, der uns vom Oben geschenkt wird. Der Glaube ist nicht auf unserer Wahl gegründet, sondern auf unserer Feinsinnigkeit, auf unserem Gehör, weil Er steht vor der Tür und klopft.

Der Weg des Glaubens ist ein sehr schmaler und steiler Weg. Schon Christus hat gelehrt, dass nur wenige Menschen ihn finden. Diesen schmalen Weg zu finden bedeutet jedoch noch nicht auf ihn zu gehen. Und wenn nur die wenigen ihn finden, wie viele werden auf diesem Weg ins Himmelreich denn gehen? Der Glaube macht die Dinge möglich, aber nicht einfach. Benedikt Spinoza schreibt: „Der Weg zu Gott muss auch schwer sein. Weil alles, was wunderschön ist, ist auch schwer genau so wie selten“. Und das ist auch so in der Wirklichkeit – der Weg zu Gott ist unendlich schwer, genau so wie unendlich wunderschön.

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