Allheilige Mutter Gottes – die große Schweigerin

Was wissen wir über die heilige Jungfrau Maria – die Mutter Gottes? Wie ist ihr immer noch andauernder Dienst an uns Menschen angefangen? Maria, oder genauer Mirjam, lebte in einer kleinen galiläischen Stadt Nazaret. Das war mehr als zwei tausend Jahre her. Sie war ein junges Mädchen, das wartete auf ihre Hochzeit mit dem Mann namens Joseph. Eben in dieser Zeit erschien ihr der Engel Gottes und brachte ihr die himmlische Botschaft: „Du hast die Gnade bei Gott gefunden“. Sie wird bald ein Sohn gebären und wird Ihn Jesus (Gott rettet) nennen. Kurz danach geht Maria in die Bergen von Judäa. Dort lebt ihre Verwandte Elisabeth, die auch ein Kind erwartet. „Gesegnet ist die Frucht Deines Leibes!“, hört Maria als Begrüßung. „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Und Elisabeth fährt fort: „In dem Augenblick als ich Deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ Das ist alles, was wir über diesen Monate wissen, als Maria Jesus unter ihrem Herzen getragen hat. Das Evangelium wirft Licht auf nur ein einziges Moment, nur auf die wenigen Minuten vor der Haustür, wo Elisabeth wohnt. Aber diese Erzählung wird zur einen lebendigen Ikone. Als wir diese Geschichte lesen, können wir sehen, wie Maria und Elisabeth einander umarmen, wie Elisabeth spürt, wie ihr Kind – der zukünftige Prophet und Täufer Johannes – vor Freude in ihr hüpft. Johannes, der 30 Jahre später alle Einwohner von Judäa zur radikalen Umkehr und zur geistlichen Erneuerung rufen wird. Wir sehen, mit wie viel Liebe küsst Elisabeth Maria und begreifen in diesem Moment, das darin eröffnet uns das Wunder des Evangeliums, das wir die Möglichkeit haben, an diesen Ereignissen persönlich Teil zu nehmen, sie zu berühren, zu sehen und zu spüren.

Weiter erzählt uns das Evangelium über die Volkerabzählung, wie Maria und Joseph nach Bethlehem gehen. In keinem Haus wird ein Bett für die hochschwangere Frau gefunden. Es gibt keinen Platz für die heilige Familie. Nicht unter den Menschen jedenfalls. In einer Krippe wird der Schöpfer des Himmels und der Erde geboren. Aber so hat Gott die Welt, nein, uns, Menschen geliebt. Um uns zu retten war Er sogar bereit in einer Krippe geboren zu werden. Denn so hat Gott die Welt geliebt. Nur wenige Monate später muss die heilige Familie wieder auf den Weg. Diesmal muss sie flüchten. Der König Herodes erfuhr von Magier, dass ein Kind geboren ist, das für seine Macht eine Drohung sein sollte. Was für ein Absurd. Als ob der König des Universums, der ihn, Herodes geschaffen hat, Gott, dem er seinen jeden Atemzug verdankt, an seinem irdischen Thron irgendeine Interesse haben könnte. „Das Kind und Maria, Seine Mutter“, wie es öfters im Evangelium wiederholt wird, werden vom Joseph in der Nacht, ohne auf Morgen zu warten, auf einen Esel gesetzt und in Sicherheit in Ägypten gebracht. Wie war das Leben der heiligen Familie in Ägypten erfahren wir gar nicht. Aber die christlichen Eremiten aus dem IV Jahrhundert erzählen eine schöne Legende. Die erste Nacht in Ägypten musste die heilige Familie schon wieder unter dem freien Himmel verbringen. Sie legten sich zwischen den Beinen einen rieseigen Sphinxen. Als dieser Sphinx das Baby Jesus gesehen hat, lächelte er und weil er aus Stein war, blieb dieses Lächeln für immer auf seinen Lippen. Obwohl wir können es uns vorstellen, dass dieser Sphinx, der 3000 Jahre vor Christus gebaut wurde, sehr wahrscheinlich schon von Anfang an gelächelt hat, bleibt diese Legende sehr wahr. Sie wiedergibt die besondere Atmosphäre, in der die antiken Mönche lebten – ein Leben das von real spürbaren Spuren von Christus, von der heiligen Gottesmutter und heiligen Joseph erfüllt war.

„Das Kind und Seine Mutter“ wird am Anfang des Matthäus Evangeliums fünf Mal wiederholt  wie eine eindringliche Einladung für den Leser in die wörtliche Ikone der Gottesmutter reinzuschauen. Eben diese Stellen beginnen die Geschichte der Ikonen der allheiligen Jungfrau, Maria mit dem Kind auf ihren Armen. Eine Frau im Osten lebt immer sehr unbemerkbar. Deswegen hören wir auch die Stimme Marias im Evangelium nur extrem selten. Ihre Anwesenheit im Neuen Testament, wenn man so sagen kann, wird nicht beschrieben, sondern gespiegelt in Christus selbst, in so vielen Dingen, die Er seine Jünger gelehrt hat. So ist zum Beispiel das Gleichnis über die Frau mit dem Sauerteig. Mit diesem Sauerteig vergleicht Christus das Himmelreich, das ähnlich wie das Sauer im Mehl, so das Himmelreich, verwandelt und verändert das ganze Leben. Wie könnte Jesus wissen, was eine Frau macht, wenn sie den Sauerteig macht, bevor sie das Brot backt? Das ist ganz klar. Jahrelang, fast täglich, sah Er Seine heilige Mutter – sie hat es gemacht, die reine und übergepriesene Jungfrau. Und in wessen Händen sah Er die Nadel, die seine Kleidung nähte? Deswegen kann Er den Weg ins Himmelreich mit dem Nadelohr vergleichen und zu sagen, dass es einfacher wäre für ein Kamel durch das Nadelohr durchzukommen als für einen reichen Menschen ins Himmelreich. Oder dass es keinen Sinn macht, ein altes Kleid mit dem Neuen zu stopfen. Beide werden so kaputt.

Auf der Hochzeit in Kana, wo Maria zusammen mit Jesus und Seinen Jüngern eingeladen wird, zeigt sie auf ihren Sohn und sagt nicht nur den Dienern, sondern jedem einzelnen von uns: „Alles, was Er euch sagt, tut das!“ Orthodoxe Theologen unterstreichen immer, dass das die letzten Worte der heiligen Jungfrau und Mutter Gottes im Neuen Testament sind. Mehr als das, sie, die große Schweigerin, spricht nicht auf den Seiten des Neuen Testamentes. Und das ist ihre wichtigste Botschaft an jeden von uns. Was ist ihr Ruf an uns, mit dem sie uns ruft, stehend neben dem Kreuz, im schrecklichsten und schwierigsten Augenblick des Lebens ihres Sohnes, als sie jeden von uns zu ihrem eigenen Kind macht? Sie ruft uns, das zu machen, was Er sagt, das, was Er von uns erwartet und zu was Er uns ruft in Seinem Evangelium…

Allheilige Mutter Gottes "Die Retterin der Verlorenen"

Allheilige Mutter Gottes „Die Retterin der Verlorenen“

 

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