Trage dein Kreuz

„Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig“, spricht der Herr (Mt 10,38).

Jeder von uns, jeder einzelner Mensch trägt sein Kreuz – ob bewusst oder unbewusst. Dieses Kreuz wird für uns entweder das Zeichen unserer Erlösung und Verklärung unserer irdischen Natur – Theosis, oder eine sinnlose Last, unter die wir uns früher oder später zusammenbrechen. Es gibt ein unbeschreiblich großer Unterschied zwischen den Leiden, die uns heil bringen – so wie beim notwendigen ärztlichen Angriff, und den sinnlosen, selbsterwählten Leiden, die unser Leben vergiften und zerstören.

Gott, unser himmlischer Vater, der uns mehr liebt als wir uns selbst lieben können, legt nur das auf unsere Schulter, was wir tragen können und was für uns und unserem Heil notwendig ist. Aber wir machen öfters alles, um diese Last zu erschwären. Eine Geschichte erzählt über einem Menschen, der meinte, das Kreuz, das Gott ihm anvertraut hat zu tragen, zu schwer sei. Er hat viel darum gebetet, Gott möge ihm diese Last erleichtern. In einer nächtlichen Vision sah er sich im Himmel. Ein Engel kam zu ihm und führte ihn in eine Kammer, die voll mit verschiedensten Kreuzen war. Da gab es große und kleine Kreuze, schwere und leichte. Der Engel sagte ihm, er möge für sich ein Kreuz selbst aussuchen. Der Mann suchte und suchte bis er ein winziges Kreuz, das kleiner war als all die andere, gefunden hat. Und sagte dem Engel: „ich möchte dieses haben!“ Worauf der Engel entgegnete: „Das ist aber eben dein Kreuz!“

Ein Christ, der Nachfolger und Jünger Christi, trägt jedoch sein Kreuz nie allein. So wie der hl. Simon, er hilft Christus Sein Kreuz zu tragen, das ihm und der ganzen Welt zur Erlösung dienen wird. Und so hilft auch Christus Seinen Kindern ihre Kreuze zu tragen – die auch für ihr eigenes Heil und das Heil der ganzen Welt ihnen anvertraut wurden. Damit nehmen sie Teil an Seinen Leiden, an Seiner Erlösung und schließlich auch an Seiner Herrlichkeit.

Was unser Kreuz immer wieder unnötig beschwärt sind unsere selbsterwählten Leiden. Ihre Ursache ist meistens nur die eine: wir erzwingen etwas von Gott und vom Leben was für uns nicht gemeint ist und was für uns schlecht ist. Das erschwärt den Weg, den wir gehen müssen. Statt uns im grenzenlosen Vertrauen Gott hinzugeben, meinen wir immer wieder, Gott gibt uns etwas nicht, was für uns gut sein soll und wir stürmen die Himmel, bis wir das bekommen haben. Und dann zeigt es sich, dass alles was wir davon haben, ist nur Leiden – unnötigen und sinnlosen Leiden, die uns auf dem Weg nur stören und keinerlei helfen.

Und so lehrt der hl. Nil von Sorki: „Bete immer mit den Worten: „Dein Wille geschehe in mir!“ Als ich gebetet habe, betete ich häufig für die Dinge, die mir als gute erschienen waren und hartnäckig und unvernünftig zwang ich Gott mir diese Dinge zu geben, ohne Ihm die Möglichkeit zu geben, alles nach Seinem Willen viel besser zu gestalten, als ich mir das in meinem Herzen und in meinem Verstand vorstellen kann. Und als ich das bekommen habe, wovon ich so eifrig Gott gebetet habe, wurde ich später von Trauer und Leiden erfüllt, warum habe ich bloß darum gebetet, dass meinen und nicht Seinen Willen erfüllt wird, weil das was ich haben wollte und bekommen habe, war gar nicht das, wie ich mir das vorgestellt habe und was ich davon erwartet habe“.

Es ist tatsächlich eine enorme Gnade Gottes und ein von besten Beweisen Seiner Liebe zu uns, wenn wir nicht das bekommen, was wir wollen. Nicht weil Gott uns die gute Dinge nicht geben möchte, sondern weil die Dinge, die wir haben möchten gar nicht gut für uns sind und weil Er uns nur bessere Dinge geben will und täglich gibt. Wie im Bußkanon des hl. Andreas von Krita geschrieben steht: „Du, Seele, würdest eine ganze Säule deiner eigenen Leidenschaften und Lüsten auf dich legen, wenn dein Schöpfer deine Pläne nicht verhinderte und deine Anfänge nicht zerstörte“.

Das Kind Gottes lernt mit den ersten Schritten der Nachfolge Christi, mit den ersten Stunden seiner Jüngerschaft beim Christus Jesus grenzenloses und bedingungsloses Vertrauen an Gott. Die Befreiung von eigenem „ich“ und von der Notwendigkeit sein eigenes Leben zu kontrollieren und zu gestalten. Die Botschaft Gottes ist ganz klar: wir können unser Leben nicht kontrollieren. Deswegen dürfen wir voll Freude auf die Feldlilien und Vögel im Himmel schauen und zu wissen, dass Gott unser Vater tatsächlich weiß was wir im Leben brauchen und wird es uns auch immer geben. Christus zu folgen hat die Bedingung alles zu verlassen und sich von allem loszulassen. Und dann können wir mit Freude das Kreuz tragen, das Gott für uns in Seiner Liebe und unendlicher Weisheit vorbestimmt hat. Denn, wie Christus es uns verspricht: „Sein Joch drückt nicht und Seine Last ist leicht“ (Mt 11,30).

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