Leben als Christen (Teil 1)

Christen sind das Volk. Das Volk Gottes. Gottes heilige Volk, Sein Königreich von Priestern und Heiligen. Zu diesem Volk angehören Menschen aus allen Völkern. Sie geben ihre alte Identität auf, um eine neue Identität – in Christus Jesus – zu bekommen. So werden sie zu einer, großer Familie. Sie bekommen ein Teil dieser Familie weil sie mit allen ihrer Mitglieder dieselbe Erfahrung teilen. Die Erfahrung der Erlösung, der Befreiung, der Vergebung der Sünden. Genau wie das Volk Israel wurde aus der ägyptischen Sklaverei befreit, genau so wie die Israeliten durchquerten das Meer auf dem trockenen Boden, so auch die Christen. Exodus ist kein einmaliges, sondern ein andauerndes Ereignis. Jede Generation, jeder Mensch, der dem Volk Israel angehört, ist derjenige, der das Meer überquert, der zusammen mit dem ganzen Volk Israel wird aus Ägypten befreit. Mit den Christen ist es nicht anders. Auch wir werden zum Volk Gottes durch unsere kollektive Erfahrung der Erlösung in Christus Jesus. Durch die Befreiung aus den Fesseln der Welt und der Sünde für ein neues und heiliges Leben. So werden Christen zur eucharistische Versammlung der Berufenen – was eine Kirche ist.

Christen sind das Volk Gottes. Und das Volk Gottes lebt nach den Gesetzen Gottes und nicht nach den Gesetzen der Welt. Sie unterscheiden sich in allem, weil sie nicht mehr von der Welt sind. Christen werden zu Staatsbürger des Himmels, die hier, auf dieser Erde nur auf einer kurzen Durchreise sich befinden. Sie suchen für sich hier keine bleibende Stadt, sondern sind auf dem Weg in ihre wahre Heimat (Hebr. 13). Das Problem mit den meisten Christen heute ist, dass sie gar nicht mehr wissen, wie ein Christ christlich leben soll, was das bedeutet, nach dem Gesetz Gottes zu leben. Es wird sehr viel Zeit der Theologie als Wissenschaft gewidmet. Aber niemand braucht heute die Theologie, wir brauchen heute lebendige Beispiele des christlichen Lebens und die klare Lehre, wie sollen wir als Christen heute leben. Konkret und auf den Punkt gebracht. Die meisten Kirchen in unserer Welt sind entweder ganz vom Glauben abgefallen oder wurden zu weltlichen Institutionen. Christen brauchen keine weltliche Institutionen, weil sie nicht von der Welt sind. Sie brauchen keine Beamten in Formen von Priestern, Bischöfen und Patriarchen. Das Volk Gottes braucht Hirten. Hirten und nicht Tagelöhner, die um die Schafe nicht kümmern. Hirten, die als Beispiel der Heiligkeit , Barmherzigkeit, Liebe für Gott und für den Nächsten dienen. Hirten die das Volk Gottes lehren können, die das Volk Gottes stärken und trösten. Nicht nur vom Kanzel, sondern mitten auf dem Weg, mitten im Leben.

Eine Kirche die mit der Welt einen Bund geschlossen hat ist keine Kirche mehr. Ja, sie kann reich, einflussreich, mächtig werden. Sie kann Lob und Ehre genießen. Aber sie ist keine Kirche Christi mehr. Die Welt hat Christus verstoßen, verspottet, verleugnet, gekreuzigt. Damals und auch heute. Und das ist nicht anders mit einer weltlichen Kirche, mit ihrer weltlichen, für das Volk Gottes unerreichbaren Amtsträgern. Vor allem weil im Volk Gottes alle gehören zusammen, alle sind Brüder und Schwestern. Auch die Priester und Bischöfe und Patriarchen. Die sind Väter, Brüder, Lehrer – aber keine Könige und keine Beamten.

Das Volk Gottes hat seine Merkmale.  Die sind Liebe zu einander und Demut. Weil die Christen nicht von der Welt sind, brauchen sie auch nichts von der Welt und wollen nichts in der Welt erreichen. Deswegen brauchen sie keine Konkurrenz miteinander. Ganz im Gegenteil. Sie wollen einander dienen – so wie Christus uns Sein Beispiel hinterlassen hat. Aber sie wollen nicht miteinander konkurrieren. Sie haben keine Neid und Stolz, die den Menschen zwingen sich selbst mit den anderen immer zu vergleichen. Ein Christ vergleicht sich dagegen nur mit Christus selbst. Weil ein Christ zu sein bedeutet Christus zu folgen und Christus zu leben. Bis Christus allein lebt in uns und durch uns. Und die Brüder und Schwestern helfen uns dabei. Und wir helfen unseren Brüdern und Schwestern. Christentum ist deswegen keine Religion. Christentum ist eine Lebensweise. Eine Lebensweise der Nachfolgerschaft einer ganz konkreten Person – Christus. Christentum ist Christus. Weil als Christen glauben wir nicht an etwas, sondern an jemanden. An Christus – den wahren Mensch und wahren Gott, durch den alles geschaffen worden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. In dem lebt die ganze Fülle Gottes. Und der lebt in Seinen Erlösten, in Seiner Kirche – bis Sein Leben den Tod aus uns gänzlich verdrängt, bis Sein Licht verdrängt unsere Finsternis, bis wir wahre Söhne und Töchter des lebendigen Gottes werden.

Die Nachfolge Christi ist ein Weg. Ein realer, praktischer Weg, eine Praxis und eine Übung, die bedecken jeden Bereich des menschlichen Lebens. Wir müssen lernen, wie Christen leben. Wir müssen lernen, was das bedeutet, als Christ zu leben. Und wir müssen einander helfen, gemeinsam so zu leben.

 

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