Zeugnis in der Welt

„Der lebendige Gott ist die größte Freiheit und die größte Barmherzigkeit. Mit dieser Barmherzigkeit müssen auch wir erfüllt werden, dann wird auch unser Wort lehren und befreien“

Offen kann nur derjenige lehren, wer heimlich zu lehren versteht. Heimlich sich zu erleuchten, heimlich das Licht Gottes in der Welt zu spiegeln. „Deine linke Hand soll nicht wissen, was deine rechte Hand tut“ (Mt 6,3), „Bete zu deinem Vater im Himmel im Geheimen (im Verborgenen) (Mt 6,6)… „Habt acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden“ (Mt 6,1). Das Himmelreich ist dem Senfkorn gleicht, das kleiner ist als alle Samenkörner (in der Welt der irdischen Offenbarungen“ (Mk 6,30-31). Unbemerkbar muss unser Umgang mit der Welt sein. Wir müssen uns in Gott verborgen. Alle unsere Angelegenheiten Ihm anvertrauen.

Die Starzen aus der Optina Wüste haben meistens heimlich gelehrt – in Form einer Erzählung oder eines Ereignis aus ihrem Leben. Heimliche Belehrung ist die schärfste. Wir suchen eine Überzeugung, die unsere Freiheit nicht vergewaltigt. Aber jedes menschliches Wort „zieht“ uns. Nur das Wort Gottes (auch im menschlichen Wort verborgen) ruft uns und offenbart Gottes Liebe. Und das menschliche Wort versucht zu überzeugen und zu zwingen.

Der lebendige Gott ist die größte Freiheit und die größte Barmherzigkeit. Mit dieser Barmherzigkeit müssen auch wir erfüllt werden, dann wird auch unser Wort lehren und befreien. Um zu lehren müssen wir Zeugen oder Märtyrer sein. Märtyrer auf Griechisch bedeutet Zeuge. Und ein Zeuge der göttlichen Wahrheit in der Welt ist immer ein Märtyrer. Er muss die Dornen seines eigenen Herzens und die Stachel des Teufels und die ganze Welt überwinden. Zeugnis in der Welt (von Gott und Seinem Reich) abzulegen bedeutet zu lehren. Die Wahrheit muss alle Schichten der Welt durchdringen – sie muss die meist entfernten Frequenzen erreichen, sie muss Gehör und Stimme, Luft und Atem und Zunge durchdringen. Wenn wir unser Zeugnis ablegen (offen sprechen über die Wahrheit Gottes in der Welt und über die Welt), sprechen wir nicht nur den Menschen an, der uns eben zuhört, sondern sprechen wir die ganze Welt an: Engel und Menschen, Sonne, Luft, Erde, und Himmel. Denn die Wahrheit, ausgesprochen mit der menschlichen Stimme, durchdringt den ganzen Himmel (Röm 10,18), erfreut die Engel und legt sich vor dem Throne Gottes, wie einer Art Samenkorn, das am letzen Tag auferstehen wird. Unbeschreiblich wertvoll ist dieses Zeugnis von der Wahrheit in einer sündigen Welt durch einen sündigen Menschen! Wahrlich, wer sich Christus uns Seiner Wahrheit und Seiner Reinheit nicht schämt, den wird auch der Menschensohn nicht schämen, wenn Er kommt mit den heiligen Engeln (Lk 9,26), verspricht das Evangelium. Denn die Engel sind die Zeugen unserer Wörter.

Wir können jedoch nur darüber Zeugnis ablegen, was „unsere Augen gesehen“ und „was unsere Hände berührt“ haben (1. Joh 1,11). Über das „Wort des Lebens“.  Das Herz muss Christus berühren, das Herz muss Christus sehen. Nur solche Zeugnis wird vor dem Gericht Gottes und vor dem menschlichen Gericht angenommen.

hl. Johannes von San Francisco (Shahowski) – Auszug aus „Apokalypse der kleinen Sünde“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch von Pater Ignatius abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.