Advent-Fasten

„Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler! Denn sie verstellen ihre Gesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten“ (Mt 6).

Heute beginnt in der orthodoxen Kirche Advent-Fasten und dauert bis zum 6. Januar. Aber Fastenzeit ist viel mehr, als sich von bestimmten Speisen zu enthalten und an bestimmten Tagen ganz auf Essen zu verzichten oder sich nur vom Brot und Wasser zu ernähren. Vater Alexander Men schreibt, dass Fasten der Arbeit eines Bildhauers gleicht. Was macht ein Bildhauer? Er nimmt einen gestaltlosen Stein und nimmt alles ab, was überflüssig ist. So entsteht ein Kunstwerk, eine Form. Die Fastenzeit wurde uns auch dafür gegeben, unsere Seelen zu gestalten und alles was überflüssig ist zu entfernen. Denn unsere Berufung ist Christus ähnlich zu werden, so zu sein, wie Er. So muss alles entfernt werden, was uns hindert Christus nachzuahmen und Ihm immer ähnlicher zu werden.

Gebet, Fasten und Barmherzigkeit in Worten, Gedanken und Werken sind die drei Säulen unseres christlichen Lebens. Und sie müssen immer praktiziert werden – alle drei. Ohne diese drei Disziplinen werden wir in unserem christlichen Leben nichts erreichen. Ohne diese drei Disziplinen gibt es kein christliches Leben. Und sie verlangen Übung – wir müssen uns üben, so wie die Sportler üben und trainieren und verzichten auf alles, was sie von ihrem Ziel abhält und sie nicht fördert.

Während der Fastenzeit sind wir berufen, unser Leben noch und noch ganz genau zu überprüfen und uns noch Mal von den überflüssigen Dingen zu befreien. Alles was wir immer noch besitzen, aber nicht mehr brauchen, verschlingt bloß unsere Energie und lenkt uns vom Wesentlichen ab. Fastenzeit ist die Zeit um zu geben. „Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß zerstören und wo Diebe durchgraben und stehlen;sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Fraß zerstören und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ (Mt 6,19-21). Die überflüssige materiellen Dinge an sich sind schon die Diebe und die Motten, die unsere Zeit, unsere Energie, unsere Aufmerksamkeit zerstören und rauben. Die Fastenzeit ist auch dafür gedacht, um diese Dinge loszuwerden. Es reicht allein in unsere Keller, Kleiderschränke, Buchregalen einen Blick zu werfen und alles, was dort angesammelt wurde und keine Verwendung findet, weg zu geben. Es gibt bestimmt Menschen, die das oder jenes brauchen, was wir nicht mehr brauchen. Und dann einen noch größeren Schritt zu machen und zu geben, ohne das unsere linke Hand weiß, was die rechte Hand tut. Denn ein Christ braucht schließlich nichts außer Gott. Sein einziger Schatz ist im Himmel – oder Gott selbst, wie es lehrt Vater Georgi Chistiakow. Christ will nichts außer Gott selbst und er verlangt nach nichts, als nur daran, dass der Wille Gottes in seinem Leben und in der Welt geschehe. Christ hat keine Angst, weder vor dem heutigen Tag noch vor dem Morgen. Weil seine Augen sind geöffnet und er sieht die Vögel im Himmel und die Lilien des Feldes und weiß, ja, weiß ganz genau, dass Gott ihm immer alles geben wird, was er braucht.

Die Fastenzeit ist auch die Zeit des Schweigens und des Gebets. Reden sollte für uns eine Ausnahme sein, Schweigen die Regel. Das ist eine Zeit des Stillwerdens und deswegen ist auch eine Zeit einer sehr großen Freude. Nur wer schweigen und still sein kann, wird auch die wahre Freude finden, lehren unsere heiligen Väter. Die Fastenzeit hilft uns Fokus auf die wesentliche, wahre Dinge wieder zu richten, uns auf das Ewige zu konzentrieren und uns noch ein Stück weiter Christus anzunähern, zu lernen, Ihm in allem nachzuahmen, so zu leben und so zu sein, wie Er es uns gezeigt hat.

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