Der Weg der Gerechten

„Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber vergeht“ (Ps 1,6). Auf Hebräisch heißt es „der Weg der Frevler aber umkommt“. Nicht der Frevler selbst, sondern sein Weg. Denn der Weg der Ungerechtigkeit ist immer eine Sackgasse. Er führt nirgendwo hin. Es scheint uns nur so. Wir denken, die Sünde kann uns all das schnell geben, was auf dem Weg der Gerechtigkeit und der Gebote Gottes nur so langsam und mühsam erarbeitet werden kann. Der ungerechte Weg scheint uns immer kürzer zu sein und trotzdem ans Ziel zu führen. Das ist eine der größten Illusionen unseren Lebens – die Folge der Erbsünde, die uns alle mit der Macht der Illusion verbildet und berauscht hat.

Aber der Weg der Frevler ist eine Sackgasse. Er führt uns nicht ans Ziel. Er ist keine Abkürzung, sondern ein kolossale Umweg, der vielen von uns Jahrzehnte und manchen das ganze Leben kosten kann. Er führt uns nicht ans Ziel, sondern weg vom Ziel. Denn jede Sünde ist nichts anders als ein Versuch, das Wahre durch das Unwahre zu ersetzen, das Reale durch die Täuschung. Die Sünde lohnt sich nicht. Niemals. Und das ist eine der wichtigsten Erkenntnissen, die wir als Christen auf dem Weg der Nachfolge Christi machen dürfen. Jede Sünde bringt uns weg vom Ziel, sie verblendet uns, sie lähmt uns, sie lässt uns Christus, der vor uns geht und uns den Weg zeigt, aus dem Blick verlieren. Der Satan versucht uns die ganze Zeit einzureden, dass die Sünde gut ist, dass Gott böse ist, weil Er versucht etwas Gutes von uns zu enthalten, weil Er uns nicht erlaubt, das Leben im vollen Maße zu genießen. Das ist natürlich eine Lüge. Eine Lüge, an die Adam und Eva geglaubt und das Paradies verloren haben. Denn wofür würde man sonst sündigen wollen? Kommt das nicht immer aus dem Zweifel an Gott und Seine Güte? Deswegen schreibt der hl. Apostel Paulus: Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde (Röm 14,23). 

Wenn wir sündigen, zweifeln wir immer an Gott, wir handeln nicht aus dem Glauben, weil wir meinen, wir müssen unser Leben in unsere Hand nehmen. Und so nehmen wir unser Leben aus der Hand Gottes. Vielleicht meinen wir, Gott sei zu langsam, oder Er gibt uns nicht das, wovon wir gebetet haben. Wir vergessen in diesem Moment, dass unser guter Vater niemals uns Stein statt Brot geben wird. Wenn wir etwas nicht bekommen, dann geschieht es, weil wir das nicht brauchen. Denn unser Vater im Himmel weiß, was und wann wir was brauchen. Ein Gerechter wartet auf Gott. Sein einziges Gebet ist: „Dein Wille geschehe“, weil Er zweifelt nie an die Güte Gottes, er weiß, dass alles was mit ihm geschieht, alles was Gott zulässt, wird aus der Liebe und Güte und Barmherzigkeit Gottes zugelassen und geschickt. Deswegen lehren alle unsere Heiligen und Starzen: „Dankt Gott für alles!!!“ Denn allein in der Hand Gottes ist unser Leben sicher, ob wir leben oder sterben. Deswegen gehen wir auf dem Weg der Gerechten – dieser Weg ist nichts anders als Christus selbst. Er ist der Weg, die Wahrheit, das Leben, die Tür und das Licht. Ihm sei Lob und Dank in alle Ewigkeit!

 

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