Was ist Christentum?

Das Christentum beginnt immer mit einer persönlichen Begegnung mit Jesus Christus. Also, ein Christ ist jemand, der Christus persönlich begegnet und Seinem Ruf gefolgt hat. Ein Christ zu sein, demzufolge, bedeutet dem Gottmenschen Christus zu folgen, Sein Jünger und Sein Freund zu sein. Ein Christ zu sein, bedeutet eine Beziehung mit Christus. Der Christ ist nicht jemand, der einer bestimmten Lehre folgt oder an eine Lehre oder eine Philosophie glaubt. Ein Christ glaubt an eine Person, er liebt eine Person, er hat mit dieser Person eine persönliche Beziehung, er folgt nicht einer Lehre, sondern einer Person. Das ist unmöglich jemandem zu erklären, der dem Christus nicht persönlich begegnet hat. Wir, Christen, glauben nicht an etwas, sondern an jemanden. Die Wahrheit ist nicht was, sondern wer. Das ist was Pilatus nicht erkannt hat, als er gefragt hat: „Was ist die Wahrheit?“ Die Wahrheit stand direkt vor ihm – Christus selbst. Weil die Wahrheit ist nicht was, sondern wer. Er, Christus ist die Wahrheit, das Leben und der Weg. Und es gibt keine anderen.

Alles beginnt mit diese Begegnung. Das sehen wir am besten auf den Beispielen, die wir im Neuen Testament finden. Diese Begegnungen können sehr unterschiedlicher Natur sein – spektakulär, wie bei hl. Apostel Paulus oder gänzlich unspektakulär, wie bei den hl. Aposteln Andreas und Johannes. Aber alle diese Begegnungen hatten eine ganz konkrete Folge – alle diese Menschen haben alles verlassen, um Christus nachzufolgen, um mit Ihm zusammen zu sein. Alles zu verlassen ist eine Bedingung, der jeder von uns erfüllen muss, wenn aus der Begegnung mit Christus etwas mehr werden sollte. Es gab tausende von Menschen die Christus persönlich begegnet haben – auf eine Art oder andere. Es gab sogar Menschen, die Christus ausdrücklich berufen hat Seine Jünger zu werden. Aber der eine hatte viel zu viel Reichtum, von dem er sich nicht verabschieden konnte, der andere wollte zuerst den Abschied von seiner Familie nehmen, der dritte musste zuerst seinen Vater begraben. Also sie hatten alle etwas anders zu tun. Die Begegnung mit Christus hat ihnen nichts gebracht.

Und doch, alles – und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes – ja, alles, zu verlassen ist der Anfang des Christentums. Es gibt unzählige Texte, die ich hier nicht zitieren möchte, vielleicht höchstens ein oder zwei: „Wenn jemand zu mir kommen will, so verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24), und wiederum: „Also kann keiner von euch, welcher nicht allem, was ihm eigen ist, entsagt, mein Jünger sein“ (Lk 14,33), „Wenn jemand zu mir kommt und seinen Vater, seine Mutter, sein Weib, seine Kinder seine Brüder und Schwestern nicht hasst, ja, sogar seine eigene Seele, der kann Mein Jünger nicht sein“ (Lk 14,26). Das bedeutet für das frühere Leben und für alles, aus dem früheren Leben zu sterben. Alles zu verlassen, sich von allem befreien, sich von allem loslassen. Das muss ein neues Leben mit Christus werden. Alles was weltlich ist muss aufgegeben werden und sterben, wir müssen geistlich arm werden, damit Christus in uns leben kann. Wir müssen Ihm überall nachfolgen, wenn wir zusammen mit Ihm sein wollen, auch wenn Sein Weg auf die Golgotha führt, auch wenn Er in die Hölle absteigt – immer und überall wollen wir mit Ihm zusammen sein. Das bedeutet seinen eigenen Leben, seine eigene Pläne, Wünsche und Ziele gänzlich aufzugeben. Es gibt nur noch Christus in unserem Leben – nur auf Ihn schauen wir noch und folgen Ihm Schritt für Schritt.

Ein Christ zu sein, bedeutet Gott nachzuahmen, so wie die Kinder ihren Eltern nachahmen (Eph 5,1). Das bedeutet sich der Ordnung Gottes unterzuordnen, sein Ego und Ambitionen und alles was von der Welt ist aufzugeben. Das Leben nach der Begegnung mit Christus beginnt mit „Null“ an. Weil der neue Wein niemals in die alten Schläuche gegossen werden kann. Weil, wie der hl. Apostel Paulus schreibt, das Alte ist vergangen, jetzt ist alles neu! Aber diese Entscheidung, Christus zu folgen, auf Seinen Ruf zu antworten, liegt allein an uns. Das sind wir, die unser Besitz verkaufen müssen und das Geld den armen zu geben, das sind wir, die alles loslassen müssen, auf alles verzichten, was uns auf unserem Weg der Nachfolge Christi hindert und nicht fördert – sei es unsere alten Freunde, Familie, Arbeit, mit einem Wort: Alles. Wir müssen die Welt und die Stadt verlassen, weil es gibt kein Ort, an dem Christus, der Sohn Gottes, der Schöpfer der Welt, Sein Haupt hinlegen kann. Weil Freundschaft mit der Welt ist die Feindschaft mit Gott und wer die Welt liebt, der hat die Liebe Gottes nicht.

Also das Leben eines Christen beginnt mit einer radikalen Wende. Und diese Wende ist nur möglich, weil er Christus persönlich begegnet hat, weil er auf Seinen Ruf geantwortet hat. Selig sind diese Menschen! Denn ihnen gehört das Himmelreich!

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