Kehre nicht zurück!

Die meisten Menschen leben in einem sehr grauen, unerfüllten Alltag. Sie haben tausende von kleinen und großen Problemen und Pflichten, die ihr Leben bestimmen. Sie leben in einer Stadt und das ganze Leben konzentriert sich nur um ein einziges Ding – das Geld zu verdienen und das Geld auszugeben. Egal was man in der Stadt unternehmen möchte, kostet das Geld. Also ist der Mensch gezwungen, die ganze Zeit das Geld auszugeben, immer neue Dinge, die man überhaupt nicht braucht, zu kaufen und zu akkumulieren. Man konzentriert sich auf den Marken, Statussymbolen, darum, wie er von seiner Umwelt angesehen und wahrgenommen wird. Das Leben besteht nur aus den äußeren Schichten. Die Seele, wenn überhaupt noch lebendig, wird verhungert – für die Seele bleibt keine Zeit übrig. Immer wieder wird auch Spiritualität konsumiert – in  einer Form oder anderen. Aber diese Art von Spiritualität ist auch nicht in der Lage das ewige Verlangen der Seele nach dem lebendigen Gott und nach dem wahren Leben zu erfüllen.

Ab und zu fährt man in den Urlaub – entspannt sich, erlebt etwas Neues, „tankt auf“. Einige Menschen versuchen sogar ihren Urlaub mit den geistlichen Inhalten oder mit einem direkten Kontakt mit der Natur zu erfüllen, mit sich selbst und mit der Erde in die Verbindung zu kommen. So verbringen sie ein paar Wochen oder ein Monat, genießen es, entdecken neue Dinge, neue Inhalte und dann kehren sie zu ihrem unerfüllten, leeren und aus der religiösen Perspektive gesehen, sinnlosen Leben zurück. Und dann erzählen sie: „Boah, das war so schön, ich habe so viel erlebt, ich habe so viel Kraft aufgetankt – und jetzt nach wenigen Tagen, ist alles wieder weg! Schon wieder nur dieser kleiner Alltag, dieselbe Baustellen, dieselben Probleme, dasselbe unerfüllte Leben“. Und solchen klagenden Menschen begegne ich jeden Tag.  Sie klagen, aber sie sind auch zutiefst in ihren Ängsten gefangen – sie wagen es nicht, sich von den Mustern zu befreien, die Konventionen brechen, ein neues Leben anzufangen. Sie klagen darüber, dass sie nicht genug Kraft oder Mut dafür haben. Kurzum – sie entschuldigen sich die ganze Zeit bei sich selbst, warum sie so ein miserables und unerfülltes Leben führen müssen – auch wenn sie schon Millionen von Euro eingesammelt haben – denn wie wir alle wissen, die Materie macht den Menschen einfach nicht glücklich – das Glück kann man nicht kaufen.

Aber was geschieht, wenn der Mensch in diesen grauen und unerfüllten Alltag nicht mehr zurückkehren muss? Es gibt ja Menschen mit ausreichender Vorstellungskraft, die mindestens in ihrer Phantasie für sich einen Plan schmieden können oder sich ein Lebensentwurf vorstellen können, wenn sie nicht mehr dorthin zurück kommen müssen, wo sie zur lebenslangen Sklaverei verdammt sind. Was wäre das für ein Leben? Bestimmt kein leichtes und wahrscheinlich auch viel weniger bequemes – aber erfülltes und glückliches. Was für ein befreiender Gedanke, nicht mehr in den primitiven weltlichen Konventionen leben zu müssen, bequeme statt elegante Kleidung zu tragen, die Füße von den Schuhen zu befreien und die Erde zu spüren, von der Erde ernährt zu werden, statt vierfachen Preis für die angeblichen „Bio-Produkte“ in einem „Biomarkt“ zu bezahlen. Immer mehr autakt zu leben – im Rhythmus mit der Natur, in einem Alltag erfüllt mit Gebet und Lobreis, Feier der allerheiligsten Sakramenten, – einem Alltag mit Gott.

Es gibt aber einige, wenn auch wenige Menschen, die ein wenig mehr Mut haben, auch wenn auch sie noch nicht bereit sind, die Schwelle in ein gänzlich neues Leben zu überqueren. Diesen mystischen Jordan-Fluss, der uns in eine uns gänzlich unbekannte Landschaft führt, ohne Landkarten, ohne uns bekannten Zeichen und Straßenschilden. In dieses neue Leben können wir auch niemanden mitnehmen und um dorthin zu gelangen, müssen wir alles in dieser illusionären Welt zurücklassen. Wir müssen uns völlig nackt machen. Nicht können wir mitnehmen. Das ist vielleicht der Grund, warum der Anfang des geistlichen Leben mit Gott mit dem physischen Tod verglichen wird. Dort, hinter diese Schwelle, können wir uns nur noch auf Gott verlassen – und auf Seine Führung. Ja, wir alle fürchten uns vor dem Unbekannten – aber wenn wir abertausende von Zeugen haben, die uns bezeugen, dass das Leben mit Gott das einzig sinnvolle und erfüllte Leben ist, wenn sie uns mit ihrem Leben gezeigt haben, was das bedeutet, diese Schwelle zu überqueren – für die Welt zu sterben und für Gott und mit Gott zu leben. Ich meine wirklich mit Gott – denn die weltliche Kirche hat dem hungrigen Menschen nichts mehr zu bieten. Wir können jetzt für die Welt und für unsere Vergangenheit, für unser früheres Leben in der Welt bewusst sterben und mit Christus von Gott auferweckt werden. Ob wir dann irgendwann physisch sterben werden, ohne einen einzigen Tag gelebt zu haben oder ob wir das neue Leben in Christus finden, liegt allein an uns – die Wahl ist die unsere. Suchen wir den schmalen Weg des Lebens noch heute – denn erst dann fangen wir an zu leben!

Bruder! Schwester! Verlasse die Stadt, verlasse deinen grauen, unerfüllten Alltag und kehre nicht zurück, schaue nicht zurück, sondern folge Dem, der das Leben, die Wahrheit und der Weg ist! Ich bete und hoffe auch dich auf diesem schmalen Weg des Lebens, der außerhalb der Stadt und der Welt, der weltlichen Konventionen, Werten und Mustern verläuft, zu begegnen!

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