Darum geht aus von ihnen und sondert euch ab

Seid nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Darum geht aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an; und ich will euch aufnehmen, (2. Korinther 6:14-17)

Es gibt nur eine einzige christliche Berufung – Christus nachzufolgen, Christus-Werden – oder Theosis. Ein Christ zu sein bedeutet heilig, oder anders als die ganze Welt zu sein. Das bedeutet für die Welt zu sterben und nur noch mit und in Christus zu leben. Viel zu viel verlangt? Vielleicht. Aber das ist wohl auch der Grund, warum unser Herr immer von einer kleinen Herde gesprochen hat und sogar gefragt hat, ob Er überhaupt noch den Glauben auf der Erde findet, wenn Er in Seiner Herrlichkeit zurückkommt. Es gibt ein breiter Weg – er führt in das Verderben. Und viele ihn gehen. Es gibt ein schmaler Weg und eine enge Nadelohrpforte – und nur wenige sie finden. In der Tat, einen schmalen Weg und eine winzige Pforte, die nicht größer als ein Nadelohr ist, kann man sehr leicht übersehen. Besondern in Mitten aller Ablenkungen und Illusionen dieser Welt.

Der Herr hat uns Seinen Plan der Erlösung auf dem Beispiel des Volkes Israel offenbart. Sie mussten Ägypten verlassen, genau so wie die Christen die Welt verlassen müssen. Nicht im übertragenden Sinne, sondern, denke ich, im buchstäblichen Sinne.  Aber der Weg führte sie nicht direkt ins gelobte Land. Ganze vierzig Jahre mussten sie in der Wüste verbringen – am Ort der Stille. Dort sollte alles weltliche an sie sterben – ja, sie mussten sterben, damit ein zum neuen Mensch, in Christus erneuerten Mensch werden konnten. Sie mussten ihre weltlichen Muster brechen, ihre weltliche Denkweise abzulegen, ihr Verstand musste sich im Christus erneuern. Sie mussten lernen allein auf Gott zu vertrauen, mit Ihm wandeln, ohne Landeskarte, ohne Straßenschilden. Sie mussten alles loslassen und sich von allem befreien. Sie mussten neue Menschen in Christus werden. Das müssen wir auch.

Aber das werden wir sehr wahrscheinlich in der Welt nicht schaffen. Viel zu viele Versuchungen warten auf uns, viel zu viele Ablenkungen erlauben uns nicht, uns gänzlich Gott zu widmen. Die Welt lässt uns nicht los. Wir müssen der Welt flehen, wenn wir gerettet werden wollen. „Fliehe die Menschen und sei still – und du wirst gerettet werden“ rät der hl. Antonius der Große. Wir sind einfach zu schwach um in der Welt uns der Welt zu widersetzen. Wir müssen eine lange Zeit in der Wüste verbringen, in Christus wachsen, uns von der Welt gänzlich zu befreien, unser Leben um Christi Willen zu verlieren – bevor wir unseren heiligen Berg ohne Gefahr für unsere Seele verlassen können. Aber so lange wir noch so schwach sind, ist es ratsam dem erprobten und erfolgreichen Weg der heiligen Wüstenväter und Mütter zu gehen. Die Welt zu verlassen. Und so schreibt der hl. Basilius der Große in seiner monastischen Regel – und wie die heiligen orthodoxen Väter lehren, es gibt und bleibt nur eine einzige Berufung für alle Christen – egal ob sie monastisch leben oder eine Familie haben:

„Das Wohnen in der Abgeschiedenheit trägt auch sehr viel zur Verhütung ausschweifender Gedanken bei. „Gehet heraus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an; und ich will euch aufnehmen,“ (2 Kor 6,17). Denn auf diese Weise überwinden wir die frühere Lebensweise, da wir den Geboten Christi zuwider lebten, und werden in anhaltendem Gebet und unablässigem Betrachten des göttlichen Willen die Sündenmakel tilgen können. Dem Gebet und der Betrachtung können wir uns aber bei den vielen Zerstreuungen und Beschäftigungen der Welt unmöglich hingeben. Zudem: „Wer Mir nachfolgen will, verleugne sich selbst“ (Lk 9,23). Die Selbstverleugnung aber besteht im gänzlichen Vergessen des Vergangenen und im Verzicht auf den eigenen Willen; die wird jedoch ein in gemischter Gesellschaft Lebender nur schwer, um nicht zu sagen unmöglich durchführen können“.

Außer den vielen anderen Hindernissen bleibt der Seele schon infolge der Menge der Sünden, die sie um sich erblickt, der Blick auf ihre eigenen Sünden und damit die reuevolle Zerknirschung darüber verwehrt; sie maßt sich beim Vergleich mit den Schlechteren vielmehr noch einen Schein der Tugend an. Zudem wird sie durch den Umtrieb und die Geschäfte, die das Zusammenleben mit sich zu führen pflegt, von dem so kostbaren Sinnen an Gott abgelenkt und so nicht nur der Freude und Wonne in Gott beraubt und des Genusses des Herrn und seiner lieblichem Worte, sodass sie nicht sagen kann: „Ich denke an Gott und freue mich“ (Ps 76,4) und „Wie süß sind Deine Worte meinem Gauben, sie sind meinem Munde süßer als Honig“ (Ps 118,103), sondern sie gewöhnt sich auch, seine Gerichte geringzuachten und vollends zu vergessen, was das größte und verderblichste Unheil ist, das sie treffen kann“.

Hören wir auf die weisen Worte der Heiligen und der Propheten! Und entscheiden wir, auf welchen Weg wir gehen wollen – auf dem breiten oder auf dem schmalen? Denn der schmale Weg wird uns unausweichlich aus der Welt rausführen. Menschen der Welt werden bestimmt denken, dass wir verrückt sind. Lasset uns stolz sein und uns darüber freuen, Narren um Christi Willen sein zu dürfen. Ihm zu folgen und nichts zu wollen außer Gott und Seinen Heiligen Willen zu erfüllen. Sammeln wir uns unvergängliche Schätze im Himmel! Lassen wir die Welt hinter uns – so wie die Propheten uns auch mahnen:

Und er rief kraftvoll mit lauter Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große, und ist eine Behausung der Dämonen geworden und ein Gefängnis aller unreinen Geister und ein Gefängnis aller unreinen und verhaßten Vögel. Denn von dem Glutwein ihrer Unzucht haben alle Völker getrunken, und die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben, und die Kaufleute der Erde sind von ihrer gewaltigen Üppigkeit reich geworden. Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht heraus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! Denn ihre Sünden reichen bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht. Vergeltet ihr, wie auch sie euch vergolten hat, und zahlt ihr das Doppelte heim gemäß ihren Werken; in den Becher, in den sie euch eingeschenkt hat, schenkt ihr doppelt ein! In dem Maße, wie sie sich selbst verherrlichte und üppig lebte, gebt ihr nun Qual und Leid! Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich throne als Königin und bin keine Witwe und werde kein Leid sehen! (Offenbarung 18:2-7)

Weichet! weichet! ziehet aus von dannen! rühret nichts Unreines an! Ziehet weg aus ihrer Mitte! Reiniget euch, die ihr des Herrn Geräte traget! Ihr werdet aber nicht ängstlich davoneilen, noch wie Flüchtlinge gehen; denn der Herr wird vor euch herziehen, und der Gott Israels wird eure Nachhut sein. Siehe, mein Knecht wird weislich handeln, er wird emporkommen, erhöht werden und sehr erhaben sein. Gleichwie sich viele über dich entsetzten ‑ so sehr war sein Angesicht entstellt, nicht mehr wie das eines Menschen, und seine Gestalt, nicht mehr wie die der Menschenkinder -, also wird er viele Heiden in Erstaunen setzen und Könige werden vor ihm den Mund schließen. Denn was ihnen nie erzählt worden war, das werden sie sehen, und was sie nie gehört hatten, werden sie wahrnehmen. (Jesaja 52:11-15)

Fliehet aus Babels Mitte und ziehet hinweg aus dem Lande der Chaldäer und seid wie Böcke vor der Herde her! (Jeremia 50:8)

Wer Ohren hat, der höre!

 

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