Glaube ohne Werke

„Zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir aus meinen Werken den Glauben zeigen“ (Jak 2,18).

Zeige mir deinen Glauben ohne Werke. Das ist natürlich unmöglich – den Glauben ohne Werke zu zeigen. Der Glaube ohne Werke hat einfach nichts zu zeigen – es gibt nichts, was er zeigen kann. Dieser Glaube ist weder real noch lebendig. In unserer Welt, in der die Menschen immer wieder behaupten, sie „glauben im Herzen“ ist dieses Thema ganz besonders aktuell. „Du glaubst, dass es nur den einen Gott gibt? Du tust recht! Auch die Dämonen glauben und zittern“ (Jak 2,19). Menschen, die nicht nach ihrem Glauben handeln, haben in der Tat einen Glauben – den dämonischen Glauben. Und ich befürchte, dass sehr viele Kirchen zum größten Teil aus solchen Menschen bestehen. Sie sind weder warm noch kalt. Sie leben mit den beiden Füßen in der Welt – sie sind nett, tolerant, vielleicht sogar moralisch, bürgerlich. Sie gehen in die Kirche. Sie geben Almosen. Aber mit ihrem ganzen Leben zeigen sie, dass sie die Feinde des Kreuzes Christi sind. Der hl. Apostel Jakob schreibt, dass diese Menschen betrügen sich selbst. „Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen“ (Jak 1,22).

Natürlich leben wir alle in einer Welt, in der wir uns ständig betrügen und betrügen lassen. Wir glauben an die Illusionen, an die Lügen. Wir glauben an die Regeln und an die Statussymbole, wir glauben, dass die materielle Welt unsere innere Welt erfüllen kann, wir glauben, dass wir die inneren Defizite und Vakuum durch das Äußere und Vergängliche ausgleichen und erfüllen können. Durch und durch sind wir Sklaven der Gesellschaft, in der wir leben. Wir kleiden uns so wie es vorgeschrieben ist, wir handeln so, um keine unnötige Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Und wenn wir schon aufgefallen möchten, dann machen wir es auf die Art, dass die Welt uns bewundert, dass jeder unsere Macht, unsere Kraft, unsere Erfolge sehen kann. Das zeigt, wie ängstlich, wie versklavt, wie unselbständig wir in der Wirklichkeit sind. Alles in unserem Leben ist nur eine dünne Schicht, die unser wahres Gesicht versteckt – vor unseren eigenen Augen und vor Augen der Welt. Aber natürlich nicht vor der Gottes Augen.

Ein Christ ist dagegen ein Mensch, der dem Christus folgt, der mit Ihm bereit ist die Welt zu verlassen. Warum? Weil für Christus in der Welt einfach keinen Platz gibt. Und wenn wir uns mit Christus identifizieren, wenn wir Ihm nachfolgen und nach Seine Lehre leben werden wir sehr schnell entdecken, dass auch für uns keinen Platz in der Welt mehr gibt. Christus hat hier keinen Ort, an dem Er Sein Haupt hinlegen kann. Und wie steht es mit Seinen Jüngern? Die Christen sind berufen „sich selbst von der Welt unbefleckt zu erhalten“ (Jak 1,27). Und das verlangt unsere aktive Tätigkeit. Ohne Gott können wir nichts machen – aber ohne uns wird auch Gott nichts machen. Er wird für uns unsere Aufgaben nicht erledigen. Er hat uns berufen, Seinen heiligen Willen zu erfüllen. Er hat uns in die Nachfolge Christi berufen. Und wenn du wissen möchtest, was es bedeutet zusammen mit Christus zu sein – in der Welt in der Er geschmäht, ausgelacht, verachtet, verfolgt, verlassen und schließlich verleugnet, ungerecht verurteilt und auf die sadistischste Art getötet wird – lies das Neue Testament und schau dir das Leben Seiner treuen Nachfolgern und Heiligen an.

Ein Christ zu sein, so lehren unsere heiligen Väter, bedeutet Christus-Werden, oder Theosis. Die vollständige Wiederherstellung des Abbildes Gottes in uns, sodass der ewige Logos wieder und wieder Fleisch werden kann – unser Fleisch! Damit wir zusammen mit dem hl. Apostel Paulus sagen und sein Wort tatsächlich – und nicht in der Phantasie – leben können: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“. Für die Welt gekreuzigt zu sein und dass die Welt auch für uns gekreuzigt ist. Tot für die Welt und allein für Gott lebendig zu sein.

Nein, das ist nicht der Weg, der die Welt und die weltlichem geistlose Kirche uns predigt. Die Welt wird uns beschimpfen und verachten, vielleicht auch verfolgen. Weil sie auch Christus, unseren Lehrer, Herr und Gott Jesus Christus beschimpft, verachtet und verfolgt. Und hat Christus genau das auch nicht gelehrt? „Der Jünger ist nicht größer als sein Lehrer. Wenn sie Mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen. Wenn sie auf Mein Wort gehört haben, werden sie auch auf euer Wort hören“. Und Christ zu sein bedeutet Christus praktisch zu folgen – so zu sein wie Er. Das bedeutet aktiv zu werden, jede Unreinheit abzulegen, den alten Menschen auszuziehen und den neuen Menschen, Christus anziehen. Das ist alles, was wir als Christen machen müssen. Gott wird uns helfen, aber Er wird es nicht für uns machen.

Deswegen ist der Prozess der Reue, Umkehr und Buße so entscheidend wichtig ist. Das ist ein lebenslanger Prozess – Tag für Tag und Stunde für Stunde. Denn wir werden immer subtileren Schichten der Sünde und der Unreinheit entdecken. Täglich müssen wir uns prüfen, wie der hl. Apostel Paulus schreibt, ob wir im Glauben sind? Uns selbst sollen wir untersuchen und richten, umkehren und Christus folgen. Uns unbefleckt von der Welt zu halten – auch wenn das bedeutet, die Welt tatsächlich hinter uns zu lassen und sie gänzlich zu verlassen. „Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede hemmende Last und die so leicht umstrickende Sünde von uns ablegen“ (Hebr 12,1). Daher lasst uns hinausgehen zu Ihm außerhalb des Lagers, – Seine Schmach tragend! Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr 13,13-14). Amen.

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