Er gibt Seinem Geliebten im Schlaf …

„Wenn der Herr das Haus nicht baut, arbeiten seine Erbauer vergebens daran. Wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, wacht der Wächter vergebens. Vergebens ist es für euch, dass ihr früh aufsteht, euch spät niedersetzt, das Brot der Mühsal esst. So viel gibt Er Seinem Geliebten im Schlaf“ (Ps 127, 1-2).

„Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit Ihm leben werden. Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus“ (Röm 6, 8 u. 11).

„Mir aber sei es fern, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14).

Schlaf in der Bibel wird immer mit dem Tod verglichen. Wer schläft, der nimmt die Welt und die Umgebung nicht wahr. Er befindet sich in einer anderen Realität. So Christ ist ein Mensch, der mit Christus zusammen für die Welt gestorben, in den Wässern der Taufe begraben und mit Christus in einer neuen, radikal anderer Realität auferstanden ist. Ein toter Mensch beteiligt sich nicht mehr an den Affären dieser Welt. Er ist jetzt woanders. Sein Leben nach diesem Paradigmwechsel, das wir „Tod“ nennen, findet woanders statt. Und die heiligen Apostel lehren, dass das Leben eines Christen findet nur in Christus – in der Quelle des Lebens – statt. Wir müssen mit Christus sterben, wenn wir mit Christus leben wollen. Sterben für die Welt, für die Sünde. Die Bedingung der Nachfolgerschaft Christi und des ewigen Lebens ist bewusst für das Leben zu sterben, das wir vorher geführt haben. Das ist die Botschaft des Evangeliums.

Gott kümmert sich um Seine Kinder. Jeden Tag wird zum Tag voller Wunder, wenn wir die schwelle des Todes für die Welt überschritten haben. Die Wunder sind dort jedoch eine Normalität – sie scheinen uns bloß die Wunder zu sein, weil in der weltlichen Bereich sie im Bereich des „Unmöglichen“ hingehören. In dieser Welt wird uns die ganze Zeit das „Unmögliche“ bewusst gemacht. Überall werden Grenzen gesetzt, das menschliche Herz mit unzähligen Ängsten erfüllt. Das ist eine unbeschreiblich arme Existenz. Wenn wir mit Christus tatsächlich gestorben und auferstanden sind – denn der hl. Apostel spricht nicht von einem „gewünschten“ Zustand, sondern von einem schon vollendeten, abgeschlossenen, vollbrachten, aktuellen Zustand eines Christen. Dort, bei Gott, ist alles möglich. Wir begeben uns in eine uns völlig unbekannte, neue Landschaft, genau so wie ein physisch sterbender Mensch überquert eine Schwelle in für ihn noch völlig unbekannte Welt. Dort, bei und mit Gott ist alles anders. Wenn wir für die Welt gestorben sind, kann uns die Welt auch nichts mehr antun.  Sie kann von uns nichts mehr nehmen noch kann sie uns irgendetwas geben. Denn unser Leben nicht länger in der vergänglichen Welt, sondern in Christus, in Gott verborgen ist. In und mit Gott kann uns nicht mehr passieren.

Und so schreibt der hl. Apostel Paulus an seinen geistlichen Sohn Timotheus: „Nimm teil an den Leiden als ein guter Streiter Christi Jesu. Niemand, der Kriegsdienst leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat“ (2 Tim 2,2-3). Und Christus selbst gibt uns Sein heiliges Versprechen: „In der Welt habt ihr Bedrängnis. Aber seit guten Mutes, Ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33).

Christen als Teil des Leibes Christi, Seiner heiligen Kirche, leben nicht in einer weltlichen sondern in einer eschatologischen Zeit – sie leben schon hier und jetzt in der Ewigkeit. Und nur weil die Kirche ein eschatologisches Phänomen ist, haben Christen die Fähigkeit mit den „Augen des Glaubens“ zu schauen und Dinge zu sehen, die für die Nichtgläubigen unsichtbar bleiben und deswegen als Absurd erscheinen. „Der Glaube ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr 11,1). Ein Christ lebt schon hier und jetzt im gewissen Sinne außerhalb der Zeit und des Raums. Wenn er nur mit Christus gestorben und mit Ihm auferstanden ist! Und es ist gar nicht so schwer, für die Welt zu sterben. Wir müssen es nur zulassen.

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