Glaube, Hoffnung, Liebe – und ihre Mutter, die Weisheit (Sophia)

Heute gedenken wir nach dem julianischen Kalender die früher christlichen Märtyrer (2 Jahrhundert), die vom Imperator Adrian schrecklich gefoltert und ermordet wurden. Glaube (Vera), war 12 Jahre alt. Hoffnung (Nadezhda) war 10 und die kleine Liebe (Lubov) war 9 Jahre alt. Ihre Mutter Sophia musste sehen, wie ihre kleine Töchter gepeinigt, gefoltert und schließlich enthauptet wurden. Um ihren Schmerz zu vermehren, musste sie die Leichen ihrer Töchter vom Boden nehmen und sie selbst begraben. Drei Tage und drei Nächte verbrachte die Mutter am Grab ihrer heiligen Töchter und wurde dann auch in den Himmel aufgenommen. Sie wollten mit Christus und für Christus sterben, statt Ihn, ihren Geliebten zu leugnen und ohne Ihn weiter leben.

Wenn ich solche Geschichten lese, dann muss ich immer an uns denken. Bei kleinster Unstimmigkeit, beim geringsten Problem verlieren wir unseren Mut und fangen an zu klagen: „Gott, warum? Warum hast Du das oder jenes zugelassen? Liebst Du mich nicht? Bin ich für Dich nicht wichtig? Regele bitte alles so schnell wie möglich! Heile mich! Hilf mir!“ Wir denken oftmals, dass Gott nur dafür da ist, um alles in unserem Leben zu organisieren und zu ordnen. Er sei einer Art Manager und Diener, der dafür zuständig wäre, unsere Angelegenheit zu regeln, unsere Wünsche zu erfüllen und möglichst den Himmel für uns Wolkenfrei zu halten. Da glauben wir natürlich nicht an Gott des Universums, sondern an unseren eigenen kleinen Magier, an einen Gin, der in der engen Flasche unseres kleines Verstands eingesperrt ist und wird dann freigelassen, wenn wir ihn brauchen.

Das ist auch kein Wunder, dass wir mit so einem Bild so sehr geprägt sind. In unserer Gesellschaft muss alles schnell geregelt werden. Wir haben keine Zeit. Wir jagen die ganze Zeit nach unserem illusionären „Glück“, nehmen etwas in die Hand, sehen, dass das unserer Vorstellung nicht entspricht oder unsere Bedürfnisse nicht erfüllt, und dann schmeißen wir das wieder weg. Alles muss schnell gehen. Wir sind an die schnell wirkende Pillen gewöhnt, die in null komme nix alle unsere Schmerzen heilen kann. Für diejenigen von uns, die doch nach etwas Mehr suchen, werden Seminare angeboten wie: „Erlange Erleuchtung in zwei Tagen!“, „Lerne wie du unwiderstehlich werden kannst, wie du Freunde gewinnst, Menschen beeinflusst und in zwei Wochen Millionär werden kannst“.

Die heiligen Märtyrer stellen ein direktes Gegensatz zum lächerlichen und oberflächlichen Christentum, das wir für uns selbst erschaffen haben. Ich frage mich, warum klagten die vier Frauen nicht über ihrem Schicksal, ihrem Schmerz? Warum sagten sie nicht: „Befrei mich Gott, sonst werde ich nicht mehr an Dich glauben! Wenn Du mich nicht befreist, dann bedeutet es, dass es Dich nicht gibt! Wenn Du mich nicht befreist, wenn jetzt ein Heer der Engel nicht kommt, wenn jetzt keine große Wunder passieren, dass bist Du nicht  da, dann macht es keinen Sinn, an Dich zu glauben“.

Gott hat den Menschen als Seinen Gegenüber geschaffen. Christentum ist eine Beziehung mit Gott. Eine Liebesbeziehung. Wir wundern uns manchmal, warum unsere Gebete so selten gehört und beantwortet werden. Wir beten vielleicht eine halbe Stunde oder eine Stunde am Tag und dann erwarten, dass Gott ausgerechnet zu dieser Zeit für uns da sein muss. Dann bringen wir ihm eine Liste mit unseren Bedürfnissen und erwarten, Er soll alles schnell regeln. Aber das ist keine Liebesbeziehung. Das ist eine Perversion und Ausdruck des unendlichen Egoismus. Sonst nichts. Eine Beziehung funktioniert nicht so. Und wir haben wohl verlernt, was eine Beziehung überhaupt ist. Das ist wohl der Grund, warum auch unsere zwischenmenschliche Beziehungen nicht mehr funktionieren, sondern scheitern an lächerlichen Kleinigkeiten.

Eine Beziehung bedeutet Hingabe, sie bedeutet sich dem anderen zu schenken, auch wenn das Leid und Schmerz bedeutet und nicht nur Sonnenschein. Lernen wir was wahres Christentum ist, kehren wir uns zu Gott um oder lassen wir diese lächerliche und perverse Karikatur einer Religion, die wir für uns geschaffen haben, in der Gott schuldet uns alles und wir schulden Ihm gar nichts, in der wir Ihn ganz und gar ignorieren können und nur dann „auspacken“, wenn wir Ihn brauchen – und weh Er tut das nicht, was wir von Ihm verlangen.

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Eine Antwort zu Glaube, Hoffnung, Liebe – und ihre Mutter, die Weisheit (Sophia)

  1. kludolph schreibt:

    Den Glaubensweg zu gehen heißt, sich an jedem Tag wieder neu an die Selbstverständlichkeit von GOTTES Gegenwart zu erinnern.

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