Licht und Finsternis

Eine der größten Versuchungen und der schrecklichsten Krankheiten, an die ein Christ erkrankt werden kann ist die Sünde des „Pharisäertums“. Das bedeutet im Leben immer und überall etwas vormachen zu wollen, vor den anderen so zu erscheinen, wie man in der Wirklichkeit (noch) gar nicht ist, einen Eindruck zu hinterlassen. Das ist eine der schrecklichsten und subtilsten Ebenen der Lüge – dessen Vater der Teufel selbst ist. Das sind all die Versuche „schein-heilig“, „pseudo-religiös“, „pseudo-moralisch“, „pseudo-fromm“, „pseudo-gut“ zu sein. Die Scheinheiligkeit ist natürlich auch in der schrecklichsten und tödlichsten aller Sünden verwurzelt – im Stolz.

Scheinheiligkeit führt zur Leugnung des Glaubens und zur Leugnung Gottes – denn damit zeigen wir, dass die Meinung und das Ansehen von Menschen, die wir so leicht auch täuschen können, uns viel wichtiger ist, als was Gott sieht. Das ist wohl der Grund, warum Christus sagt, dass die Sünder und die Zöllner ins Reich Gottes kommen werden, während die pseudo-Gerechten sich schon für die Hölle entscheiden haben.

Wir leben in der Welt der Täuschung und der Lüge. Alle machen hier etwas vor. Es geht gar nicht um die innere Welt eines Menschen, sondern nur über das Äußere. Das ist die Welt der Finsternis. In der Dunkelheit sieht man logischerweise nichts. Man kann hier nichts erkennen. Und jeder von uns, der etwas vormacht, wird selbstverständlich eine panische Angst vor jedem Licht haben. Denn das minimale Licht wird das alles zeigen und zur  Schau stellen, was wir so sehr bemühen von allen anderen zu verbergen. Gott ist Licht. Und so bewusst oder auch unbewusst, verstecken wir uns vor diesem Licht, verstecken uns vor Gott. „Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse“ (Joh 3,19).

Das ist genau das, was so tragisch am menschlichen Zustand ist: sie liebten die Finsternis! Nicht, dass sie ihr nachgeben müssten, nicht dass sie ihr zu widerstehen versuchten. Nein, sie liebten und lieben die Finsternis. Es geht um die Liebe.

Wir sind so davon vergiftet, dass wir jedem und überall etwas vormachen müssen, um „geliebt“, „akzeptiert“, „anerkannt“,  zu werden, dass wir Gott in die selbe Schublade schieben. Wir denken, Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, müssen wir auch etwas vormachen. Wir denken, wir müssen das und jenes erfüllen, irgendeinem Moralkodex zu folgen, irgendwelche Regel zu beachten, um als „gute“ Menschen bezeichnet zu werden. Das ist das Pharisäertum, das ist die Scheinheiligkeit, das ist die Heuchelei.

Nun, ein Christ weiß (oder sollte es mindestens wissen), dass wir Gott niemals täuschen können. Als Christen wissen wir auch, dass Gott uns nicht böse ist, wenn wir zu Ihm so kommen, wie wir sind: lamm, blind, taub, krank, kraftlos, versagt. Wir kommen zu Ihm, weil Er uns eingeladen hat. Er will, dass wir zu Ihm kommen, damit Er uns heilen kann. Er zeigt uns, wie wir den alten Menschen mit seiner ganzen Scheinheiligkeit und Verlogenheit ausziehen können, damit Er uns zu einem neuen Menschen in Christus machen kann. Damit das passiert werden auch einige chirurgische Eingriffe nötig. Er wird unser Herz aus Stein rausnehmen müssen, um es mit einem neuen und reinen Herzen, das Ihn sehen kann, zu ersetzen (sehe Psalm 51 und Matthäus 5). Er wird unseren alten Geist nehmen und uns einen neuen und beständigen Geist geben. Er wird uns zu einem neuen Menschen machen, das wieder Seinem heiligen Abbild entspricht. Wenn es soweit ist, müssen wir gar nichts mehr vormachen, weil heilig, wie Gott (mikrotheos) zu sein wird zu unserer neuen Natur.

Das ist der Grund, warum Demut so unausgesprochen wichtig ist. Demut öffnet uns die Tür aus dem engen Gefängnis unseres eigenen Egos, aus unseren „ich-kann-selbst“. Nein, ohne Christus können wir gar nichts. Gar nichts. Außer ein Teil der Dunkelheit zu sein und unser ganzes Leben im Selbstbetrug zu verbringen.

 

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Eine Antwort zu Licht und Finsternis

  1. kludolph schreibt:

    Er ist die Wahrheit und das Licht, Er hält, was Er verspricht.

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