Kämpfe nicht!

In der Bibel finden wir keine richtige Hinweise, wie wir mit den Versuchungen und Leidenschaften kämpfen sollen. Das Neue Testament ruft uns viel mehr mit dem Bösen und unseren bösen Trieben nicht zu kämpfen sondern sie abzulegen (sehe Kol 3,8)Das bedeutet sie auszuziehen, so wie man zieht ein altes Kleiderstück aus. So ist der Christ auch berufen, jede Sünde und das alte, sinnliche und weltliche Leben auszuziehen. Zu kämpfen bedeutet immer Gewalt anzuwenden. Und dieses Denken ist überhaupt nicht christlich, sondern kam ins Christentum beeinflusst von der stoischen Philosophie.

Die heiligen Apostel sehen den Weg eines Christen nicht als eine Kampf mit den Sünden und Leidenschaften, mit den weltlichen Einflüssen, sondern als Prozess indem der „alte Mensch“ ausgezogen wird, indem der Christ wächst aus den irdischen Kleidern und zieht die himmlischen Gewände an, genau so wie ein Kind, das auswächst aus seinen Kinderkleidung. Der Christ muss aus seinen eigenen Sünden, Faulheit, Boshaftigkeit, Egoismus herauswachsen.

Das hat eine zentrale Bedeutung: wenn wir es verstehen, dass das Böse wie eine Kleidung ist, die ausgezogen werden kann, dann verstehen wir auch, dass das Böse etwas Äußeres ist, etwas was mit unserer Seele und unserem wahren Wesen nicht organisch verbunden ist. Das Böse kann die Tiefe unseres Seins nicht berühren, genau so wie die Kleidung die wir tragen unsere Herzen nicht berühren kann. Und die schmutzige Kleidung verschmutzt nicht die Seele, sondern nur die Haut.

Ein schmutziges Hemd muss einfach ausgezogen werden, aber die Krankheit der inneren Organen muss behandelt werden. Die Sünde aber, so der hl. Apostel, muss einfach ausgezogen werden – ohne nachzudenken, ohne zu analysieren, ohne zu versuchen die Gründe zu verstehen, sondern sie einfach wegzuwerfen. Und Christus lehrt auch das in Seiner Bergpredigt wenn Er sagt: „Wenn das rechte Auge dich in die Verführung führt, reiße es aus und werfe weg von dir“ (Mt 6,29). Das bedeutet eben, mit der Sünde nicht zu kämpfen, nicht zu diskutieren, nicht versuchen etwas zu verstehen, sondern einfach NEIN zu sagen und sie aus dem Leben wegzuwerfen – in demselben Augenblick, kompromisslos und ohne jede Diskussion.

Wenn wir jedoch anfangen, die Sünde zu betrachten, zu analysieren, dann werden wir unumgänglich in die Sünde fallen und fangen an zu kämpfen. Wir werden zu Kämpfer und Krieger und unser Christentum hört auf diese Stelle auf. Weil aus unserem Inneren übertragen wir die Kampf auf die äußere Welt und fangen an alle zu bekämpfen, die, unserer Meinung nach, denken falsch, handeln falsch und so weiter und sofort. Das Schlimmste an dieser Geschichte ist dass wir die Sünde auf diese Art gar nicht bekämpfen, sondern uns zum Spielzeug und zur Marionette der Sünde machen, die statt Frieden und Heilung Zerstörung und Krieg in uns und in die Welt verbreitet.

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