Entschlossenheit und Willenskraft

Geistlichen Leben in Christus ist ein Weg. Geistliches Leben ist wenn der Heilige Geist in uns wirkt, weil wir Christus zugehören und deswegen kann der Heilige Geist in uns wirken und Schritt für Schritt in uns Seine Früchte wachsen lassen. Geistliches Leben bedeutet Einheit mit Christus, Einheit mit dem Heiligen Geist mit unserem ganzen, ungeteilten Wesen, mit allem, was wir sind. Hl. Seraphim vom Sarow lehrt, dass um die Heiligkeit zu erreichen – und ohne Heiligkeit wird keiner von uns Gott sehen können – brauchen wir Willenskraft und Entschlossenheit. Und Entschlossenheit resultiert aus unserem Willen und Bewusstsein.

Aber an Statt unsere Willenskraft und Entschlossenheit zu gebrauchen und zu zeigen, wenden wir an Gott mit den Worten: „Herr, mache für mich das, was ich nicht bereit bin für Dich zu machen, vollbringe in mir das, wofür mir die Entschlossenheit und Inspiration fehlen“. Aber Gott hat uns schon alles dafür gegeben – und wenn wir den Schritt machen, werden wir auch alle notwendige Unterstützung und Hilfe bekommen. Ohne Gott können wir nichts machen, das ist wahr. Aber genau so können wir ALLES mit Gott machen. Und ist Seine Hilfe uns etwa nicht gesichert, wenn es um Erfüllung Seinen heiligen Willen und unserer Berufung handelt? In Christus können wir alles. In Christus ist alles möglich. Und das Leben eines Christen verläuft in Christus selbst. Nicht neben Ihm, sondern in Ihm.

Das was uns am meisten hindert in Christus zu sein, ist die Phänomen der „Masse“. In der Masse wird jede spirituelle Funke profaniert und zerstört. Wenn der Mensch ein Teil der Masse, oder besser, selbst zur Masse wird, gehen alle seine besondere Eigenschaften verloren. Er verliert sich in der Masse, er verliert sich in sich selbst. Und die Masse kann man sehr einfach steuern und beeinflussen, erst das eine zu machen und im nächsten Moment das Gegenteil davon. Die Masse kann man immer manipulieren. Und die Masse ist nicht bloß eine Menschenmenge. Das ist ein besonderer Zustand, ein Zustand der Gesellschaft, ein psychischer Zustand. Dem wahren Menschen wurde die Möglichkeit der freien Wahl, der freien Entscheidung gegeben – in dieser Freiheit zeigen sich gleichzeitig die unendliche Würde und das Vertrauen, die Gott dem Menschen schenkt und auch die spirituelle Größe des Menschen selbst.

Die Kraft der Sünde äußert sich nicht in den Versuchungen des objektiven Bösen, sondern in der Gefangenschaft der Seele durch die „klein-klein“-Dingen, durch die kleinen Ängsten, die der Seele verhindern den Himmel zu atmen. Und die Kirche ist viel zu oft in diesem „klein-klein“ Modus gefangen und auch das Gebet kann sehr egozentrisch sein. Die Gefangenschaft in sich selbst, die den Menschen zur Masse macht.

Nur in Christus ist die wahre menschliche Individualität möglich, weil sie steht nicht mehr als Zeichen der Trennung von den anderen, sondern als Teil eines einzigartigen Organismus, des Leibes Christi selbst, in dem jedes Glied hat eine ganz besondere Funktion, eine einzigartige Berufung. Aber diese Besonderheiten bewirken das Gute des gesamten Körpers und bedienen nicht nur das Ego selbst. Und das Ego ist nichts anders als ein Samenkorn, der nie begraben wurde, der nicht gestorben ist und deswegen bleibt für immer einsam, klein, hart und unfruchtbar.

Wir brauchen die Entschlossenheit und die Willenskraft um die Freiheit zu erleben – um wahrlich durch den Sohn befreit zu werden und als Kinder Gottes geboren zu werden. Denn wie können wir sonst Gott unseren Vater nennen, wenn wir nicht Seine Kinder sind? Gott hat uns den Glauben geschenkt, damit wir aus dem Glauben heraus handeln und leben. Und wie der hl. Apostel Paulus schreibt, alles was nicht aus dem Glauben, ist eine Sünde. Gott hat uns die Hoffnung und die Liebe geschenkt, damit wir sie benutzen, damit wir aus ihrer Quelle schöpfen und aus ihrer Kraft leben. Uns wurde schon alles was wir brauchen geschenkt. Alles was wir machen müssen, ist den Schritt der Umkehr – zurück zu Gott.

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