Von der Einheit der Liebe

Die Nachfolge Christi bedeutet sich selbst zu verleugnen – seinen eigenen Ego zu kreuzigen und sterben zu lassen. Sich von seinem eigenen „ich“ zu lösen, weil Christus zu folgen bedeutet in einer Gemeinschaft der Liebe zu sein – mit Gott und mit unseren Brüdern. Und die Liebe schenkt sich selbst und gibt sich für die anderen hin. Die egoistische Selbstliebe bedeutet dagegen in sich selbst verschlossen und gefangen zu sein. Nach der Liebe der anderen Menschen zu verlangen ohne von sich selbst etwas zu geben. Aber die Liebe ist lebendig und kann nur in dem Maß empfangen werden, in dem sie auch geschenkt wird.

Christus zu folgen bedeutet seinen „ich“ durch „wir“ zu ersetzen und auf sich selbst und eigene Einsprüche zu verzichten, sondern im Glauben wandern, dass Gott alle unsere Bedürfnisse erfüllen wird – Er wird uns niemals ohne unserem täglichen Brot lassen. In jedem Moment bekommen wir genau das, was wir brauchen. Nicht unbedingt das, was wir uns wünschen, aber all das, was wir gerade brauchen. Christus zu folgen bedeutet zu geben, sich zu schenken, sich hinzugeben.

Das bewirkt die Liebe. Die Liebe, die Gott uns gezeigt hat indem Er den Himmel verlassen hat und Mensch geworden ist. Indem Er von Seiner eigenen Schöpfung verfolgt, ausgelacht, verspottet, verraten, verurteilt und gekreuzigt wurde. Das hat Er alles um uns, um unsertwillen gemacht hat, um uns zu retten, um uns zu zeigen, wie sehr Er uns liebt und wie wichtig wir für Ihn sind. „Seid untereinander so gesinnt“, schreibt der heilige Apostel Paulus,  „wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,  bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2, 5-9).

Christus zu folgen bedeutet aufzuhören seinen eigenen „Glauben“, seine Überzeugungen, sich selbst und sein eigenes „ich“ anzubeten. Christus zu folgen bedeutet in Demut die Einheit des Glaubens zu bewahren. Nur auf Christus sollen wir unsere Augen richten, nur auf Ihn schauen. Nur Seine Liebe soll uns erfüllen, denn Gott ist die Liebe und ist die einzige wahre Liebe. Alle anderen „Lieben“ sind Lügen – die sind unwahr, die erscheinen uns bloß so, ob sie echt sein könnten. Die Liebe will sich nur schenken – das ist ihre Natur – egal ob sie dafür etwas zurück bekommt oder nicht. Auch Christus ist für alle gestorben – auch für all diejenigen, die Seiner Liebe noch heute widerstreben, sie auslachen, sie verspotten. Er liebt den Menschen auch wenn der Mensch die Wahl trifft, ewiglich in der dunklen Kammer seines Egos zu verbringen – in der ultimativen Einsamkeit und Trennung von allen anderen, zerstört vom Feuer seiner eigenen Leidenschaften und Erwartungen, Begierden und Launen. Denn Ego – „ich“ bedeutet die Trennung von Gott und der Gemeinschaft. Gott offenbart sich uns als die Heilige Dreifaltigkeit – als die Einheit von drei Personen – Vater, Sohn und der Heilige Geist. Weil sonst könnte Gott niemals die Liebe sein. Weil die Liebe äußert sich nur in der Gemeinschaft. Und die Kinder Gottes, Seine heilige Kirche, ist das Abbild dieser trinitarischen Einheit. Sie wandern im Licht, weil sie lieben einander. Die sind Gottes Kinder, weil sie lieben einander. So werden sie von allen als Christi Jünger erkannt, weil sie lieben einander.

Diese Liebe können wir nur von Christus empfangen. Deswegen müssen wir bei Ihm sein, mit Ihm sein und in Ihm sein. Wir müssen zum Christus werden, damit Seine Liebe in uns wirkt. Und  wo die Liebe herrscht, dort herrscht auch die Einheit. Und wo Trennungen und Spaltungen geben, dort gibt es keine Liebe. Dort ist „ich“ auferstanden und Ego wieder regiert. Und Christus spricht, dass ein Haus oder ein Reich, das in sich selbst gespalten wurde, kann nicht bestehen. Weil nur die Einheit der Liebe bestehen kann. Nur die Einheit der Liebe wird bestehen für immer. Nur die Einheit der Liebe macht den Menschen zum Abbild der Dreifaltigen Gottes, macht ihn wieder unsterblich, führt ihn wahrlich an Theosis – an die Vergöttlichung – ans Ziel unseres Glaubensweges. Das Ego ist für den Tod verurteilt. Das Ego kann nicht ewig leben -weil das Ego nur sich selbst lieben kann und ist von der Quelle des ewigen Lebens und der lebendigmachenden Liebe getrennt. Das ist was Christus meint, wenn Er sagt: „Wer sein Leben bewahrt, wird es verlieren; und wer sein Leben um meinet und Evangeliums Willen verliert, wird es finden“. An den Früchten werden wir alle erkennen – die Liebe ist die Frucht des Heiligen Geistes.

Sterben wir bewusst für unser Ego – kreuzigen wir unseren alten irdischen Menschen zusammen mit Christus, damit ein neuer, unsterblicher Mensch in Christus Jesus aufersteht! Lassen wir uns von der Liebe wieder erwecken. Werden wir zur Liebe, die sich schenkt. Werden wir zur Liebe. Werden wir zu Christus. Ihm sei Ehre und Lob in aller Ewigkeit!

 

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Eine Antwort zu Von der Einheit der Liebe

  1. Adolf Mulack schreibt:

    Drei bescheidene Anmerkungen:
    1. Du sprichst von „egoistischer“ Selbstliebe; in der Tat, die gibt es, aber es ist eine gestörte Selbstliebe. Die ungestörte vermag den Nächsten so zu lieben wie sich selbst…
    2. Die Ersetzung des Ichs durch das Wir ist natürlich schon ein Fortschritt; der bleibt aber recht bescheiden, falls das persönlich-individuelle Ich nur durch das Gruppen-Ich ersetzt wird…
    3. Daß Gott die Liebe ist, heißt nicht, daß alle anderen „Lieben“ nur Lügen seien; WENN Gott die Liebe ist, sind m.E. alle anderen Lieben auch Abglanz dieser göttlichen Liebe…

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