Du aber folge Mir nach!

„Herr, was wird denn mit ihm? Jesus antwortete ihm: … was geht das dich an? Du aber folge Mir nach!“ (Joh 21, 21-22).

Es ist keine einfache Sache, oder sie scheint uns mindestens nicht einfach, christlich zu leben. Ich meine jetzt: wirklich christlich zu leben. Christus überall zu folgen, Seinem Wort gehorsam zu sein, Seine Gebote zu erfüllen. Wenn wir das ernst machen wollen, wissen wir, dass es uns sehr viel kosten wird – die Welt. Wir werden Freunde und Bekannte verlieren, wir werden uns immer fremder in dieser Welt fühlen, wir werden auf Bequemlichkeit und Komfort verzichten müssen. Christus nachzufolgen bedeutet wirklich sein eigenes Leben zu verlieren. Und das ist etwas, was uns sehr schwer fällt.

Bewusst zu sterben für unser Ego und für das Leben, das wir vorher geführt haben und uns völlig Unbekanntem zu öffnen, den Schritt des Glaubens zu machen, die Schwelle zu überqueren in ein neues Land, wo wir nur noch auf Gott angewiesen sind und wo keine menschliche Hilfe mehr gibt – das ist wo das Leben eines Christen als Christen überhaupt beginnt. Das ist nicht einfach – niemand hat uns gesagt, dass es einfach sein wird. Ganz im Gegenteil. Und das ist wohl der Grund, warum Christus auch sagt, dass nur die Wenigen sich für das Himmelreich und für die Unsterblichkeit entscheiden werden. Es werden die Wenigen sein, die nach diesem schmalen Weg suchen werden und diesen Weg für den Weg ihres Lebens machen werden. Aber uns wurde keinen anderen Weg zu Erlösung gezeigt. Die Entscheidung liegt an uns.

Europa ist sehr christlich geprägt und auch heute haben wir sehr viele Kirchen und auch Menschen die sie besuchen. Aber die Kirchen sind kraftlos. Die sind mit vielleicht den wenigsten Ausnahmen, ein Teil dieser Welt. Die sind in der Welt und von der Welt. Sie machen sehr viele gute Sachen, sie helfen den Menschen, sie bringen die Menschen zusammen, sie arbeiten an verschiedene Projekte – aber das machen auch viele nicht-christliche Organisationen. Die Kirchen sollten dem Menschen auf dem Weg begleiten, auf dem er vom alten, gefallenen Menschen in den Neuen, nach Abbild Gottes geschaffenen Menschen verwandelt werden kann. Die Kirchen sollten die Geburtshäuser für die Neugeborenen in Christus werden, sie sollten ein Kindergarten für die Kinder in Christus in sein, sie sollten die eucharistische Versammlung der Berufenen für die erwachsenden in Christus sein und ein Ort, an dem die Kinder Gottes schließlich auch Theosis – die Vergöttlichung erreichen, bevor sie die Erde verlassen und in ihre himmlische Heimat gehen. Und das sind die Kirchen heute nicht mehr. Die Kirche hilft dem Menschen nicht mehr die Welt zu verlassen, viel mehr ähnelt sie einem Schiff, das sich nicht mehr vom weltlichen Ufer lösen kann – es ist gestrandet.

Die menschliche Enttäuschung über sich selbst und über die anderen Menschen ist groß. Ja, wir haben versagt. Die Kirche hat versagt, ihren Zweck zu erfüllen. Hier in Deutschland sind wir in einem spirituellen Heidenland. Das Christentum ist im besten Fall noch eine schöne Tradition, aber keine gelebte Lehre des lebendigen Gottes. Die Welt siegt immer wieder. Sie lässt die Menschen nicht einfach los, die sie verlassen wollen. Sie kämpft um ihre Sklaven.

Aber es gibt immer noch die Wenige. Es gibt sie. Die sind zerstreut. Aber die sind die Menschen, die doch den Ruf Christi gehört haben, sich vom allen weltlichen gelöst haben, die täglich für ihr Ego sterben und Christus auf dem schmalen Weg folgen. Sie haben keinen großen Ansehen, sie werden meistens gar nicht beachtet, sie haben gar nichts, womit sie die Welt und die irdisch-gesinnten Menschen beeindrucken können. Ganz im Gegenteil, sie geben jeden Anlass verspottet und verachtet zu werden – weil sie so radikal anders sind. Diese Menschen sind heilig – weil das Wort „Heilig“ nichts anders als „anders, abgesondert, Gott-geofpfert“ bedeutet. Diese Menschen sind die wahre innere Kirche Christi – Seine heilige und reine Braut, die sich von der Welt nicht unrein gemacht hat.

Wenn wir Christus folgen wollen, wird uns keinen anderen Weg angeboten als für uns selbst, für die Welt und für das Leben, das wir früher gelebt haben, bewusst zu sterben. Denn nur dann können wir mit Christus auch auferstehen. Es ist niemals einfach zu sterben – das ist immer ein Übergang aus dem Bereich des Bekannten in den Bereich des Unbekannten. Und das ist der Glaube, der uns ins neue Leben überbringt. Es werden sicherlich nicht viele Menschen geben, die diese Worte lesen werden; noch weniger wird es geben, die sie verstehen werden; einige, die sie verstehen, werden vielleicht sogar damit einverstanden sein und dann alles doch beim alten lassen; und vielleicht ein oder zwei werden sich umkehren, werden den U-Turn in ihrem Leben machen und statt an den Ort der ewigen Finsternis zu gehen – verfangen in der Finsternis eigenes Egos und verzehrt durch das Feuer eigenen Leidenschaften, werden sich umdrehen und ins Himmelreich gehen, den Ort der ewigen Freude, Liebe und Frieden.

Auf dem schmalen Weg gibt es mehrere spirituelle Gesetze, die wir folgen müssen. Und das erste Gesetz ist unsere Augen nur auf Christus richten und nur auf Ihn allein schauen – immer, ständig, ununterbrochen. Es ist völlig egal, was die anderen machen, wie sie leben, was für Ziele sie verfolgen und was für Werte sie vertreten, was sie über uns denken und was sie über uns sprechen. Das ist alles völlig egal. Wir dürfen niemanden richten außer uns selbst. Stattdessen sind wir aufgefordert für alle zu beten. Aber schauen dürfen wir nur Christus! Was geht uns an, was die anderen machen, was sie glauben, wie sie leben. Wir folgen ja Christus, als richten wir unsere Augen nur auf Ihn hin. Dann werden wir niemals wanken und uns niemals verirren. Lassen wir Ihn niemals aus unserem Blick! Folgen wir Ihm – und unser Weg wird nicht immer einsam sein. Wir werden, dank der Gnade Gottes, entdecken, dass es tatsächlich die Gemeinschaft der Inneren Kirche gibt – sie wird aber uns erst dann sichtbar, wenn wir auf dem schmalen Weg schon unterwegs sind. Wer Ohren hat, der wird hören …

 

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