Gebt, und es wird euch gegeben werden

„Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, festgedrücktes, gerütteltes und übervolles Mass wird man euch in den Schoss schütten. Denn mit dem Mass, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden“ (Lk 6,38)

In der Welt geprägt ausschließlich vom Konsum, in der der Kunde für den „König“ erklärt wird, obwohl der Kunde ist nichts anders als eine erbärmliche Marionette der Wirtschaft ist, verlernen wir sehr schnell die Gabe des Geben. Wir möchten sammeln. Denn wer am meisten gesammelt hat, der darf sich in der Welt als „reich“ schätzen. Und wir sammeln die unnötigsten Dinge, umringen uns mit Schmuck und Statussymbolen und zeigen sie allen. Andere Menschen urteilen uns an unsere Kleidung, unsere Autos, unsere Häuser und Gegenstände, die wir zu vorzeigen haben. Es geht ja schließlich um das Äußere. Nur um das Äußere. Dabei sind wir gar nicht mehr in der Lage zu sehen, wir arm, erbärmlich und dumm wir eigentlich sind. In unserem naiven Glauben, dass die materielle Welt irgendwie das Vakuum unserer nach Gott und Ewigkeit hungernden Seelen erfüllen kann. Wir wollen von den anderen geschätzt und geliebt sein, weil wir etwas besitzen. Und wir wissen ganz genau, wie schnell der Kreis der angeblichen „Freunden“ schrumpft und wie leise unser Telefon wird, wenn wir plötzlich nichts mehr vorzuzeigen haben, wenn wir nicht mehr von den anderen Menschen genutzt werden können. Ich habe mehrmals mit VIP-Leuten sprechen durfte und war jedes Mal erstaunt, wie ängstlich sie sind. Sie investieren alles in ihrem Leben in diesen VIP-Status bloß nichts zu verlieren. Denn in dem selben Moment, wenn sie ihn verlieren, werden sie zu nichts – was sie in der Wirklichkeit auch sind.

Aber nicht nur die materielle Welt davon betroffen, sondern auch die geistliche Welt. Wir konsumieren die Religion. Wir haben tausende Erwartungen und geben nur so wenig von uns selbst wie überhaupt möglich. Sonst werden wir ja noch arm, um Gottes Willen. Wir fühlen uns als Könige, denen gedient werden muss. Vor wenigen Tagen habe ich selbst einen Experiment gemacht. Zwei Tage lang habe ich ein Seminar gegeben. Es waren nicht viele Leute da und unter ihnen waren auch sehr arme Menschen. Ich habe von Geld gar nicht gesprochen. Ich wollte bloß sehen, ob irgendjemand auf die Idee selbst kommen würde, eine Spende zu hinterlassen. Um für den empfangenen Segen auch von sich selbst etwas zu geben. Ich habe darauf umsonst gewartet. Es wurde als selbstverständlich angenommen, dass die Teilnehmer bedient werden sollen – ohne dafür etwas geben zu müssen. Das ist eine sehr traurige Erfahrung. Weil diese Menschen sich selbst berauben.

Christus spricht vom Geben. Er hat sich selbst für uns hingegeben – voll und ganz. Er ist für uns gelitten und gestorben, verurteilt und gekreuzigt von der Menschheit, die Er selbst geschaffen hat und die Er alleine mit Seiner Liebe am Leben hält. Wir denken viel zu oft, dass wenn wir sparen, werden wir mehr haben. Aber das spirituelle Gesetz ist genau das Gegenteil davon. Nur derjenige, der gibt, wird auch empfangen. Menschen, die nicht geben wollen, übertreten das Gebet Gottes, der uns zu geben auffordert. Und Menschen die es nicht tun, trifft meistens auch das Vers: „Ein Haus wirst du bauen, aber darin wohnen wirst du nicht. Einen Weinberg wirst du pflanzen, aber nichts davon wirst du geniessen“ (Deut 28,30). So viel Zeit wird ein gieriger und geiziger Mensch in das Erhalt seines Besitzes investieren, dass er gar keine Zeit dafür haben wird, die Dinge, die er erworben hat zu genießen. Der Segen kommt nur dann, wenn wir teilen und in dem Maß, indem wir bereit sind zu teilen.

Nehmen wir das Beispiel von unserem Herrn und Gott, der für uns alles gegeben hat. Und folgen wir Seinem Beispiel – geben wir und teilen wir miteinander, verschwenden wir unser irdisches Besitz und unterstützen wir die Armen und Bedürftigen. Geben wir mehr als wir können und es uns wird zurückgegeben mehr, als wir brauchen. Gebt! Und ihr werden den Segen empfangen!

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch von Pater Ignatius abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.