Im Glauben und nicht im Schauen

„Im Glauben gehen wir unseren Weg, nicht im Schauen“ (2 Kor 5,7).

„Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit das Übermaß der Kraft von Gott sei und nicht aus uns. In allem sind wir bedrängt, aber nicht erdrückt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet“ (2 Kor 4, 7-9).

Wenn wir zu Christus kommen, erkennen wir zuerst unsere wahre Natur. Plötzlich wird uns klar, dass wir blind, taub, arm, töricht und schwach sind. Dass die Ziele, die wir im Leben verfolgt haben und Schätze, die wir gesammelt haben, nichts sind. Und dann rufen wir zu Christus: „Herr, mach, dass ich wieder sehen kann!“ (Lk 18,41).

In diesem Moment werden uns die geistlichen Augen geöffnet, sodass wir die wahre Realität zum ersten Mal im Leben sehen können. Das ist der Anfang des Lebens, gesehen durch die geistlichen Augen – durch den Glauben.  So sehen wir etwas, was ein weltlicher Mensch nicht sehen kann. Und das ist kein Wunder, dass ein Gläubiger niemals von einem Ungläubigen verstanden werden kann. Deswegen bringt es auch nichts zu beweisen oder zu diskutieren. Wir können nur für die Menschen beten, damit auch ihnen die geistlichen Augen geöffnet werden, damit auch sie den Moment erkennen, wenn Christus an sie vorbei geht und laut rufen: „Jesus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner“!

Ein Christ wandert im Glauben. Egal wie die Dinge der Welt aussehen, egal was in der Welt geschieht, der Christ sieht immer die höhere und wahre Realität – in der nichts ist unmöglich, weil für Gott alles möglich ist. Weil er weiß, dass alles was von Gott zugelassen wurde, wurde für das ultimative Gute Seiner Kinder zugelassen. Er weiß, dass alle Haare auf seinem Kopf sind gezählt und dass kein einziger von ihnen fällt ohne dass sein Vater im Himmel davon weiß und es auch in Seinem Heiligen Willen zugelassen hat. Einem Menschen, der auf Gott vertraut kann nichts passieren. Sein Leben ist in Gott verborgen. Niemanden und nichts braucht er mehr zu fürchten!

Die Welt funktioniert jedoch völlig anders. Die Welt erzählt uns, dass wir alle Schwierigkeiten und Probleme vermeiden sollen, dass für alles eine Pille mit einer schnellen Wirkung geben soll – die unsere Schmerzen wenn auch nicht heilt, dann mindestens unterdrückt und für eine Weile lindert. In der Welt soll man schnell reich werden können, schell heilen, schnell glücklich werden, schnell abnehmen – alles muss schnell geschehen. Wie viele Ratgeber, die davon erzählen, wie der Mensch sehr schnell attraktiv, sexy, erfolgreich und glücklich werden kann, in den letzten 20 Jahren geschrieben wurde? Und trotzdem sehe ich kaum glückliche Menschen auf der Straße. Trotzdem erzählt jeder, dass sein Schmerz immer wieder zurückkehrt. Trotzdem scheitern die Beziehungen, trotzdem verfallen immer mehr Menschen in Depressionen.

Ein anderer Weg ist der Weg derjenigen, der durch das heilige Blut Christi erlöst wurde und in seinem Gott die Rettung gefunden hat! Deswegen kann der hl. Apostel Paulus uns auch sagen: „Freut euch IMMER“ und „Sorgt euch um nichts“. Ist es in der Welt möglich? Für den Christen schon. Denn er sieht mit den Augen des Glaubens. Er weiß, dass sein Vater, der die Vögel füttert und und Lilien kleidet, wird auch Seinen Kinder alles geben, was sie brauchen. Und wenn ihnen etwas nicht gegeben wurde, dann nur weil sie das nicht brauchen. Gott ist Liebe und auf diese Liebe können wir uns immer verlassen. Gott wird für uns sorgen, wenn wir aufhören Gott im Wege zu stehen.

Bedeutet das, das unser Weg als Christen leicht und bequem sein wird? Keinesfalls. Wir sind hier auf einer Pilgerreise. Unser Zuhause, wo auf uns sehnsüchtig gewartet wird, ist im Himmel. Und die meisten von uns haben noch eine lange Reise vor uns – mit vielen Kämpfen, vielen Niederlagen, aber auch mit vielen Siegen. Denn wer am Ende siegt und bis zum Ende ausharrt, wird das Kranz des Lebens bekommen, das Gott für diejenigen bereitet hat, die Ihn lieben.

„Aber so kann man als ein „normaler“ Mensch in der Welt gar nicht leben“, höre ich viele sagen. Ganz genau – jetzt kommen wir zum Point. Christen sind nicht von dieser Welt. Sie leben nicht so wie die Menschen in der Welt. Sie denken anders, sie sprechen anders, sie kleiden sich anders, sie haben eine andere Art von Unterhaltungen, sie freuen sich an anderen Dingen, als Menschen dieser Welt. Und wir können niemals beides tun. Wenn wir Christus nachfolgen wollen, müssen wir bereit sein, anders zu sein und von dieser Welt entweder gehasst oder mindestens für verrückt erklärt werden.

„Und davon reden wir, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern mit Worten, wie der Geist sie lehrt, indem wir für Geistliches geistliche Bilder brauchen. Der natürliche Mensch aber erfasst nicht, was aus dem Geist Gottes kommt, denn für ihn ist es Torheit; und er kann es nicht erkennen, weil es nur geistlich zu beurteilen ist. Wer aber aus dem Geist lebt, beurteilt alles, er selbst aber wird von niemandem beurteilt. Denn wer hätte die Gedanken des Herrn erkannt, dass er ihn unterwiese? Wir aber haben die Gedanken Christi“ (1 Kor 2), schreibt der heilige Apostel.

Dasselbe spricht auch Christus: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie Ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,14). Wenn wir in Gott verborgen sind, haben wir wirklich nichts mehr zu fürchten – denn nichts kann uns gegeben werden, genau so wie nichts kann uns auch genommen werden – weil allein in Gott haben wir alles. Und wir wollen auch nichts außer Gott – denn in Ihm allein ist die Fülle des Segens und des ewigen Lebens. Egal was passiert, egal wie bedrohlich alles aussehen kann, egal wie tobt das Meer des Lebens rund um uns herum – wir gehen unseren Weg im Glauben und nicht im Schauen. Denn Christus hat uns befohlen: „Dies habe Ich zu euch geredet, damit ihr in Mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber fürchtet euch nicht, Ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33).

 

 

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