Warum erlaubt Gott, dass wir sündigen?

„Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder. Darauf sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit Dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Jesus erwiderte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, Mich zu kennen“ (Lk 22, 31-34).

„Petrus aber beteuerte: Und wenn ich mit Dir sterben müsste – ich werde Dich nie verleugnen. Das gleiche sagten auch alle anderen“ (Mk 14,31).

Christus betet nicht, der Vater möge den Simon Petrus vom Fall bewahren. Er betet nur, dass sein Glaube nicht erlischt werden möge. Und befehlt ihm, nach seiner Bekehrung, die Brüder zu stärken. Ein erstaunlicher Text. Wir können wohl den ganzen Ausmaß der Verzweiflung, die der heilige Apostel Petrus erleben musste, gar nicht nachvollziehen. Er schwört zuerst, er werde mit dem Herrn ins Gefängnis und in den Tod gehen. Wenige Stunden später, schwört er, er kenne Ihn nicht.

„Wenig später sagten die Leute, die dort standen, von neuem zu Petrus: Du gehörst wirklich zu ihnen; du bist doch auch ein Galiläer. Da fing er an zu fluchen und schwor: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet“ (Mk 14,71).

Das ist eine erstaunliche Geschichte. Unser Herr ist nicht so viel damit beschäftigt, dass wir nicht fallen, sondern dass wir unseren Glauben nicht verlieren. Denn solange das Feuer des lebendigen Glaubens in uns brennt, werden wir immer wieder uns bekehren. Und dann werden in der Lage sein, auch unsere Brüder zu stärken. Auch der heilige Apostel am Ende seines Dienstes verherrlichte den Herrn als Märtyrer. Auch er starb auf dem umgedrehten Kreuz – denn er fand sich nicht würdig, auf dieselbe Weise zu sterben, wir Sein Erlöser, den er so liebte. Aber damals war seine Stunde noch nicht gekommen. Viel mehr musste er diesen schrecklichen Fall erleben, damit er Nachsicht mit seinen Brüdern haben könnte, damit er in der Lage sein sollte, sie zu trösten und ihnen zu helfen, wieder aufzustehen. In der Zeit der schrecklichsten Verfolgungen, denn wir alle wissen, wie brutal die Menschen, die Macht haben, sind, als die Christen vor der Wahl stünden: In schrecklichsten Foltern zu sterben oder Herrn Jesus Christus zu leugnen, gab es bestimmt diejenigen, die versagten. Die leugneten ihren Glauben. Aber Petrus, der Apostel war da – und er konnte diese Menschen wieder aufbauen! Er konnte ihnen sagen, dass sogar er, der für den Herrn alles verlassen hat, der mit Ihm überall wanderte, der mit Ihm am letzten Abendmahl saß, in der finsteren Stunde der Versuchung nicht standfest bleiben konnte. Auch er hat den Herrn verleugnet. Aber sein Glaube war lebendig – und deswegen war auch der Umkehr möglich!

Der heilige Apostel Paulus schreibt einen sehr ähnlichen Gedanke:

„Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden“ (2 Kor 1, 3-4).

Christus betet auch für uns, die Er heute in Seine Nachfolgerschaft berufen hat: „Ich bitte nicht, dass Du sie aus der Welt nimmst, sondern dass Du sie vor dem Bösen bewahrst“ (Joh 17,15). Wir fallen immer wieder, damit wir uns vor Gott endlich demütigen und fähig werden, unseren Nächsten zu lieben, statt ihn zu richten. Ohne Gott können wir nichts tun. Wir sind arme Sünder, für die Christus sterben musste, um uns zu erlösen, uns zu retten. Aber solange der heilige Glaube uns erhalten bleibt, der auch die Gnade Gottes ist, werden wir immer wieder aufstehen. Wir bleiben nicht auf dem Boden liegen. Und werden Gott mit noch größerer Eifer dienen und Ihn noch mehr lieben: Denn wem viel vergeben wurde, der liebt auch viel.

Wir werden nicht aus der Welt genommen. Wir werden auch nicht gegen die Sünde versichert. Wir werden im Glauben erhalten – Gott wird uns so vom Bösen bewahren. Denn das einzig Böse was uns widerfahren kann, ist vom Glauben abzufallen. Dann gibt es keine Hoffnung und keine Liebe mehr. Der Beispiel mit Judas zeigt das ganz deutlich. Deswegen steht auch der Glaube als allererste Tugend von drei: Glaube, Hoffnung und Liebe. Vom Glauben hängt die Hoffnung ab, genau so wie die Liebe hängt vom Glauben und der Hoffnung ab. Das ist wie eine Leite mit drei Stufen.

Das hilft uns auch mehr Nachsicht mit unseren Nächsten zu haben und sie niemals richten. „Denn“, schreibt heiliger Theophan, „wer seinen Nächsten in einer Sünde urteilt, wird unbedingt in dieselbe Sünde fallen“.

Glauben wir an unseren Erlöser! Haben wir immer Glauben an Gott. Und wenn wir auch sieben, nein, hundert Mal am Tag fallen, stehen wir sofort auf und laufen zurück zu unserem Vater. In Seinen Händen sind wir sicher. Und wenn die Zeit kommt, werden wir Ihn auch verherrlichen – ob im Leben oder im Sterben.

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