Denn wir predigen nicht uns selbst?

„Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es nur bei denen verdeckt, die verloren gehen, den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinnverblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus unseren Herrn, wir aber sind eure Sklaven um Jesu willen“ (2 Kor 4, 3-5).

Es ist unglaublich schwer, nicht sich selbst zu predigen. Denn schließlich tut es uns gut, wenn Menschen gut über uns reden, wenn sie unsere Talente bewundern. Das verdanken wir der Eitelkeit – aber diese Eitelkeit ist relativ unschuldig – sie ist mindestens sehr menschlich. Sie zeigt, dass wir immer noch menschlich sind und dass die Meinung anderer Menschen uns wichtig ist. Auch wenn unser Ziel ist zusammen mit den heiligen Apostel ganz klar zu sagen: „Denn rede ich jetzt Menschen zuliebe oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, wäre ich Christi Knecht nicht“ (Gal 1,10).

Aber es gibt noch eine viel subtilere und extrem gefährliche Ebene: uns selbst zu predigen indem wir unser kleines Wissen und unsere subjektive Glauben und Gedanken als Christus verkünden. In den meisten Predigen sprechen wir eben davon was wir glauben, was wir verstehen, was wir denken. Das resultiert aus der Autonomie des Seins, die wir alle anstreben, weil sie uns als das höchste demokratische Gut verkauft wurde. So machen wir Christus zu unserem Sklaven und zu unserem Diener. Er wird zu einem Produkt, das wir dann entsprechend verpacken und weiter verkaufen – und bekommen dafür Lob, Erfolg und Bewunderung als Lohn ausgezahlt.

Wir bestellen Christus in unseren Dienst, der unseren Zwecken dienen soll und uns verhelfen muss, unsere Ziele zu erreichen. Diese Ziele können auch nobel aussehen – zum Beispiel Menschen für „unsere“ partikuläre Kirche zu gewinnen, die Anzahl der Besucher nach Oben zu bringen, zu zeigen, dass unsere Gemeinde mehr „Erfolg“ als die anderen Gemeinden haben. Wenn wir sehr gut sind, charismatisch und rhetorisch gewandt, werden wir vielleicht irgendwann zu einer Art Gurus. Menschen werden zu uns kommen, weil wir so toll sind. Aber wir verkünden nur uns selbst – uns wir können niemandem etwas geben, weil wir selbst auch nichts haben. Alle Schätze sind ja nur in Christus verborgen. „Da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig“ (2 Kor 4,18).

Christus zu predigen kann nur derjenige, der Christus als Herrn hat. Er verhandelt und diskutiert mit seinem Herrn nicht, er erfüllt lediglich seinen heiligen Willen. Er tut es nicht, wie es ihm gefällt, sondern wie er dazu berufen wurde. Und er stellt sich sichtbar zurück, damit der Herr und nicht er zum Scheinen kommt. Wir brauchen dringend Prediger die nichts mehr wissen außer Christus. Und die kommen nicht als diejenige, die über Christus erzählen, sondern als diejenige, durch die Christus spricht. Die kommen im Auftrag des Herrn – und den Herrn sprechen lassen. Egal wie töricht so eine Botschaft für die Welt erscheinen mag, wird sie immer die Herzen erreichen, die den Samen des Glaubens in sich tragen, die vom Fürsten der Welt nicht gänzlich verblendet wurden. Dann werden wir uns an die Erscheinung der Kraft des Herrn freuen – auch wenn Lob und Ehre Ihm allein gebühren. Und so Gott will, noch viele Seelen begegnen, die ihr Heil in Christus Jesus gefunden haben.

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