Wo finden wir Himmelreich?

„Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte; auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist IN euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet <ihn> nicht sehen. Und man wird zu euch sagen: Siehe dort!, oder: Siehe hier! Geht nicht hin, folgt auch nicht!“ (Lk 17, 21-23).

Es gibt Menschen, die nach dem Reich Gottes suchen. Sie denken, wenn sie einen für sich richtigen Ort gefunden haben, dann werden sie auch das Reich Gottes finden. Es gibt sehr viele verschiedene Kirchen, die das Reich Gottes quasi „anbieten“. Sie meinen, wenn Menschen zu ihnen kommen, werden sie bei ihnen das Reich Gottes finden. Aber Christus spricht, dass es nicht so ist. Der Mensch muss zuerst ein Teil des Reiches Gottes werden, bevor sie die anderen Menschen, die ein Teil desselben Reiches sind, begegnen und sie erkennen kann. Solange das Himmelreich nicht IN UNS ist, können wir überall danach suchen und wir werden es nirgendwo finden – wir werden eher überall ans Himmelreich vorbei gehen, ohne es wahrzunehmen.  Das Reich Gottes – das Himmelreich muss IN UNS wachsen, unser Leben muss das Himmelreich sein – in dem Gottes Wille geschieht, wo wie er geschieht im Himmel. Werden wir selbst nicht zum Himmelreich, werden wir es auch nirgendwo finden.

Aber selig sind diejenige, die durch die Umkehr und Buße den alten Weg des Todes verlassen konnten und auf dem schmalen Pfad der Erlösung Christus nachfolgen. Jeder von diesen Menschen trägt das Himmelreich in sich, er ist ein Teil davon, er ist erwacht und ist ein Pilger auf dem Weg in seine himmlische, ewige Heimat. Dieser Weg wird zunehmend einsamer und schmaler. Je weiter wir gehen, desto weniger Menschen werden wir auch begegnen – denn die anderen gehen in die andere Richtung. Immer mehr  Dinge der Welt werden wir verlassen oder sie werden uns auch genommen. Sie werden uns genommen weil wir in unserem Innersten schon beschlossen haben, uns von ihnen zu befreien. Unsere alte Freunde werden uns verlassen, weil sie mit uns nichts mehr anfangen können. Sie werden uns immer weniger verstehen bis sie uns wahrscheinlich für verrückt erklären, wenn sie durch die Gnade Gottes nicht auf demselben Weg der Umkehr kommen. Der schmale Weg beginnt mit der Phase des Entzugs und des Verlustes. Auch wenn uns nicht alles verlieren werden, werden wir alles verlieren was wir nicht mehr brauchen und was uns hindert, Christus nachzufolgen.

Nach dieser Reinigung und Befreiung, nach dieser Phase der Einsamkeit und Verlassen-seins, werden wir doch so geführt, dass wir neue Menschen, die auch so wie wir, das Himmelreich in sich tragen, begegnen. Zusammen mit dieser Menschen werden wir dann in der Lage sein, eine wahre Gemeinschaft des Glaubens erleben – die eucharistische Versammlung der Berufenden. Keiner von diesen Menschen wird dort zufällig kommen – die sind alle vom Herrn berufen worden, sie alle folgen Ihm nach – deswegen können sie auch in der ultimativen Einheit des Glaubens und der Liebe miteinander leben. Die sind die wahre Kirche, die heilige Braut des Herrn. Ein weltlicher Mensch wird es niemals verstehen können. Nur die Lebenden, die mit dem Herrn gestorben und auferstanden sind, werden diesen Zustand erleben können. Und die Toten werden auch weiterhin ihre Toten begraben. Die Suche der lebenden Menschen, die das Leben Gottes in sich tragen, ist beendet – deswegen werden sie auch keinem Ruf – „Er ist da“, „Er ist dort“ folgen – das brauchen sie nicht, denn sie sind schon BEIM Herrn!

Die meisten von uns werden schon wieder sagen, dieser schmaler Weg sei ZU schmal und unbequem, sie können die Welt nicht verlassen – sie lieben Welt und das Weltliche viel zu sehr. Und in der Tat, wie viele Menschen werden die Worte Christi verstehen und ihnen folgen, der sagt: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,26). Denn wer Christus nachfolgen will, muss auf alles verzichten, was ihm daran hindert, Ihm nachzufolgen – sei es auch seine Eltern, seine Familie oder gar sein eigenes Leben! Aber vielleicht werden noch einer oder zwei auch durch diese Zeilen für das Gottesreich gewonnen! Noch einer oder zwei, der sich auf dem schmalen Weg der Umkehr, Buße und Reue, auf dem Weg des ständigen Kampfes mit der Sünde in sich, auf dem Weg der Tötung des „alten Menschen“ begibt, um ein neuer Mensch zu werden, um unsterblich zu sein, um zum Abbild des Lebendigen Gottes, mit dem er Seine Natur zu teilen eingeladen ist, verwandelt zu werden. Und diese wunderbare, unbeschreiblich Gemeinschaft der Berufenden zu erleben. Man wird sie niemals finden, wenn man nicht ein Teil davon ist. Was bleibt zu sagen? „Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches! Denn die Zeit ist nahe. Wer Unrecht tut, tue noch Unrecht, und der Unreine verunreinige sich noch, und der Gerechte übe noch Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich noch!“ (Offenbarung 22, 10-11).

 

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