„Öffne uns die Tore der Umkehr!“

Die meisten von uns kennen das Gefühl, etwas bereut zu haben – etwas was wir gesagt oder getan haben, was wir uns danach mit ganzen Herzen gewünscht NIE gesagt oder getan zu haben. Die Reue ist die erste Stufe der Umkehr – des Rückweges zu Gott. Denn bevor wir Christus folgen können, müssen wir zuerst zu Ihm kommen. Und dafür müssen wir uns auf den Weg machen.

Die Reue beginnt mit dem Erwachen. So wie der verlorene Sohn, nachdem er sein Leben – den Besitz des Vaters verspielt hat:  „Als er aber zu sich kam, sprach er: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Überfluss an Brot, ich aber komme hier um vor Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen! Mach mich wie einen deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater.“ (Lk 15).

Wir müssen zuerst „zu uns selbst“ kommen, um zu erkennen, dass wir statt beim Himmlischen Vater unter den Schweinen leben. Wir selbst haben uns dafür entschieden und wir selbst sind dafür verantwortlich, dass unser Leben eine Ruine ist, weil wir die ganze Zeit auf dem Sand gebaut haben. Wir haben gesündigt. Aber bereuen wir unsere Sünden? Wünschen wir uns wirklich, die Sünden NIE begangen zu haben? Oder sind wir bloß Heuchler, die fühlen sich verpflichtet als „moralische“ Menschen zu leben, bekennen oberflächlich unsere Sünden, die wir in der Wirklichkeit lieben und genießen, fest entschlossen auch weiter hin zu sündigen? Oder sie auch gar nicht mehr bekennen, sondern erklären uns mit ihnen einverstanden, schreiben alles auf unser „Mensch“ und „menschlich“ sein, auf unsere Schwäche? Wenn wir in diesem Zustand leben, haben wir nie unsere Sünden bereut und uns noch nie umgekehrt. Wir leben als alte Menschen, die dem Tod verkauft sind, egal was wir uns in unserem Kopf vorstellen und „glauben“.

Die Umkehr und der Rückkehr zu Gott bedeutet Geburt eines neuen Menschen in Christus: „Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes; <sie sind> verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens; sie, die abgestumpft sind, haben sich selbst der Ausschweifung hingegeben, zum Ausüben jeder Unreinheit mit Gier.  Ihr aber habt den Christus nicht so kennengelernt. Ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm gelehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist: dass ihr, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt habt, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet, dagegen erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4).

Und:  „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, euer Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit. Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist! Um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams“ (Kol 3).

Dieses Erkenntnis unserer absoluten moralischen und menschlichen Pleite, unseres Versagen, unseres Leben als Feinde Gottes und Seines Kreuzes ist die Voraussetzung für die Reue. Wir müssen die Sünde hassen, wenn wir von der Sünde umkehren wollen. Das ist was Christus meint, dass der Mensch sein eigenes Leben hassen muss – und wenn er das nicht tut, kann er Christus nicht nachfolgen (Lk 14). Und dieses Erkenntnis ist die wunderbare Gnade Gottes. Die Gnade ist etwas was uns zwar geschenkt wird und wofür wir nicht bezahlen können, aber die Gnade ist nicht etwas was wir verdienen, sie ist nicht etwas, was uns „zusteht“. Viel zu oft wenden wir uns an Gott und stellen Ihn unsere Ansprüche an, so ob als Er uns etwas schuldig wäre. Die Gnade ist ein Geschenk – und um dieses Geschenk müssen wir beten und flehen. Wir müssen uns demütigen vor Gott.

Und wenn wir nicht in der Lage sein, unsere Sünden, für die Christus am Kreuz sterben musste, zu bereuen und beweinen, vielleicht können wir mindestens die Härte unseres Herzens erkennen und darüber weinen, dass wir nicht einmal fähig sind, die Sünden, die unserem Gott so viel Leiden bereitet haben, zu bereuen. Dass wir nicht in der Lage sind, auf Seine Liebe zu antworten – dass wir in der Wirklichkeit überhaupt nicht wissen, was es bedeutet, zu lieben und deswegen sind auch absolut unfähig zu lieben – weder Gott noch den Menschen. Vielleicht können wir erkennen, dass während wir uns in der weltlichen Paradies vorstellen, liegen wir in der Wirklichkeit unter den Schweinen. Und dass wir das nicht einmal spüren – so verstopft, so gefühllos, so hart und blind ist unser Herz geworden ist. Wäre das nicht genug, auf unsere Knien zu fallen und weinen und flehen, Gott möge uns die Tore der Reue und der Umkehr öffnen? Wenn unser Herz überhaupt noch weinen kann, wenn es nicht um unseren Schmerz, sondern um den Schmerz eines anderen geht…

Wenn wir nicht umkehren, werden wir alle sterben – oder wir bleiben einfach tot, denn das Leben finden wir nur in Gott und bei Gott. Klopfen wir an die Türe der Umkehr und Reue, bevor sie uns geöffnet werden. Bleiben wir solange dort stehend, bevor Gott in Seiner Gnade unser Herz zerbricht und die Flüsse der reinigenden Tränen unser Herz wie ein später Regen bewässert und belebt. Beten und flehen wir um die Gnade der aufrichtige Reue und Umkehr! Flehen wir, bis wir sie erhalten haben! Bis der Same des Wortes bei uns auf die gute Erde fällt und wahre Früchte bringt – in der Erneuerung unseres Menschen, in der Verklärung und Verwandlung unserer Natur in die Natur Christi – bin wir sichtbar zum wahren Abbild, zur reinen und heiligen Ikone Gottes werden.

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