Christ und sein Besitz

„Darum kann keiner von euch Mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet“ (Lk 14,33) spricht der Herr.

Wollen wir Christi Jünger sein? Oder noch einfacher formuliert: Wollen wir Christen sein? Dann müssen wir auf unseren ganzen Besitz verzichten. Denn Christ zu sein ohne Nachfolgerschaft ist nicht möglich. Wenn du Zweifel hast, dass es so ist, und denkst, man könne auch ein Christ sein, ohne dass man gleichzeitig Sein Jünger ist, schau dir einfach die Kirchen an. Sie bestehen zum größten Teil aus Christen, die keine Jünger Christi sind und deswegen sind weltlich, trocken und tot. Du denkst vielleicht, dass nur ein Heiliger, ein Mönch oder Asket diesem Wort folgen kann. Dieses Wort ist aber für jeden gesprochen wurde, der nach dem ewigen Leben verlangt – und gilt jeden einzelnen von uns, ob in der Wüste oder in der Stadt, ob verheiratet oder zölibatär. Ein Christ ist ein Christ – ob Priester, Mönch oder Hausfrau. Dieselben Gesetze und dieselben Worte gelten jeden einzelnen – es gibt keinen Unterschied zwischen den Gläubigen, denn Christen sind ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk.

Königreich impliziert Sein – Gottes – Königreich, wo Gott allein der König ist. Priester bringen Opfer – sie bringen sich selbst als Opfer zu Gott, indem sie auf ihre eigene Autonomie, auf ihre Unabhängigkeit von Gott und Seinem Wort verzichten und so verzichten auch auf ihren ganzen Besitz. Es geht nicht nur um die materiellen Dingen. Ein Christ ist jemand, der mit materiellen Dingen leben kann und kann auch ohne materiellen Dinge leben. Er kann auf sie immer verzichten und sie loslassen, um des höheren Zielens Willen. Aber das ist nicht alles. Der Besitz besteht nicht nur aus den materiellen Dingen. Es gibt tausende viel subtileren Ebenen, die wir erst entdecken, wenn wir sie mit ihnen direkt auseinandersetzen. Das bedeutet auf unseren Willen zu verzichten, auf unsere Pläne, unsere Wünsche, Sehnsüchte, Vorstellungen und Gedanken, wie wir unser Leben gestalten möchte. Wir hören die ganze Zeit, der Mensch sei Architekt seines Lebens. Das ist ein schöner Satz, der von den Freimauern kommt (Bemerkenswert, dass die Mehrheit der deutschen katholischen Bischöfen Mitglieder der Freimauer Logen sind). Ein Christ verzichtet darauf, ein Architekt seines Lebens zu sein – er verzichtet darauf „wie“ Götter zu sein, die das Gute und das Böse kennen. Er will nur noch wieder das Abbild Gottes werden und er weiß, dass nur Gott ihn zu Seinem Abbild wiederherstellen kann. Das Ego, mit allen „ICH“ Ansprüchen – ich glaube, ich denke, ich will, ich stelle mir vor – muss gekreuzigt werden und sterben. Das Ego muss auf den Altar Gottes gebracht werden, wenn wir je frei und unsterblich werden möchten. Ein Priester bringt sich selbst zum Opfer – er hört auf mit seinem „ich“-Existenz, er stirbt – und Gott schenkt ihm ein neues Leben in Christus, das niemand und nichts mehr zerstören kann.

Christen sind ein Teil des Heiligen Volkes. Heilig bedeutet anders zu sein. Anders als die Welt. Anders als die Ungläubigen. Anders als Menschen die keine Jünger Christi sind. Das bedeutet in allem Christus nachzuahmen, denken wie Christus, glauben wie Christus, sprechen wir Christus, fühlen wie Christus, sein wie Christus. Die Christen sind wörtlich ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk.

Du sagst aber, das ist zu hart. Das ist viel zu viel verlangt. Wer kann das schon? Du bist nicht der einzige, der so denkt und diese Frage stellt. „Da fragte Ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen“ (Lk 13, 23-24). Ob das nur wenige sind, die gerettet werden, wissen wir nicht – der Herr gibt keine Antwort auf diese Frage. Aber wir wissen, dass es viele geben wird, die es versuchen werden und nicht einmal ihnen wird es gelingen. Und ich kenne, ehrlich gesagt, nicht einmal wenige Menschen, die es versuchen. Schon gar nicht mit allen Kräften! Die meisten die ich kenne, tun gar nichts.

Aber wenn es mir gelingt, mindestens einen oder zwei dazu zu bewegen, es zu versuchen, durch die enge Pforte ins Himmelreich zu gelangen, dann kann ich mich in meinem Dienst schon glücklich schätzen. Und dann werden wir uns auf diesem engen Weg bestimmt auch begegnen – die Anzahl der Pilger dort ist sehr übersichtlich. Lass uns noch heute auf unsere Knie fallen und Gott um Seine Barmherzigkeit flehen, dass Er uns die Pforte der Umkehr öffnen möge und uns zum ewigen Leben in Seiner Gnade führen. Damit Er uns zu Seinen Priester macht und erlaubt uns heilig – also anders als die ganze Welt – zu sein. Und hilft uns auf alles zu verzichten. Denn alles was ein Christi braucht ist Gott selbst.

 

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