Der Preis der Liebe

In unserer Welt wird das Glück an materiellen Dingen gemessen. Je mehr man Geld verdient, je mehr man Geld ausgeben kann, je mehr man völlig unnötige Dinge akkumulieren kann, je mehr man in der Zukunft kaufen kann, desto glücklicher man schätzt sich und wird von den anderen geschätzt. Das Wort „Wachstum“ würde ich sofort zum Unwort des Jahrzehntes erklären.

Die materielle Welt bedingt natürlich auch die menschlichen Beziehungen miteinander. Die Liebe ist schon längst zur Transaktion geworden und hängt viel zu oft von den materiellen Dingen ab. Oder andersrum: Die Transaktion wird mit dem Wort „Liebe“ ersetzt. Wir wurden so erzogen, dass das Komfort und Bequemlichkeit des Lebens bei uns auf der ersten Stelle stehen. Alles anders auf der anderen Stelle. Und uns wurde auch erklärt, dass alles was wir brauchen um glücklich zu sein, käuflich ist. Man muss bloß genug „Kohle“ haben – und dann kann uns nichts mehr im Wege stehen. Und solange alles gut und schön funktioniert, genießen wir die harmonischen Beziehungen und sind mit den Freunden gesegnet. Und so kaufen wir uns die Liebe unserer Ehegatten, unserer Kinder und unserer Freunde, indem wir sie mit den materiellen Dingen dieser Welt überschütten und sie beibringen, dass die Liebe durch die materiellen Dingen, käuflichen Dinge ausgedrückt wird.

Aber was passiert, wenn uns der Boden von den Füßen gezogen wird? Wenn unsere materielle Existenz erschüttert wird? Wenn wir plötzlich auf Komfort und Bequemlichkeit verzichten müssen, oder wenn sie uns einfach schlicht genommen werden? Was passiert dann mit unseren Beziehungen, unseren Familien, unserem Freundschaftskreis? Werden sie uns verlassen, weil wir nicht mehr das Komfort des Lebens bieten können? Werden sie uns aufdrängen, etwas zu tun, um das gewohnte Lebensqualität und Existenzniveau zu erhalten? Werden sie uns helfen wollen, damit wir wieder „aufsteigen“ können? Oder werden sie uns ihre Liebe, ich meine wahre Liebe schenken, indem sie an unserer Seite stehen, uns Wärme und Zärtlichkeit geben, sind bereit mit uns wahrlich durch die guten und schlechten Zeiten durchzustehen? Einfach für uns da sein, einfach uns lieben …

Wir sind mit dem Konsum vergiftete Generation von Menschen, im großen und ganzen unfähig zu lieben, unfähig treu zu sein, unfähig unseren Blick von den materiellen und vergänglichen Dingen dieser Welt abzuwenden. Wir sind eine Generation von einsamen und verlassenen Menschen, eine Generation von gestressten und ausgebrannten Menschen, die in ihrem Rad drehen, um scheinbare Erfolge zu erzielen, die mit den Geldscheinen belohnt werden, die wir dann uns gegen die Liebe austauschen können. Wir sind eine Generation von gebrochenen Herzen, weil alles hier so austauschbar ist, weil „Wachstum“ und nicht „Liebe“ für uns am wichtigsten ist. Wir sind Sklaven der Wirtschaft, Sklaven des Fürsten dieser Welt, der sitzt und rollt vom Lachen, wenn er die Menschen in ihren Einkaufszentren sieht, wenn er sieht als wir die Überstunden arbeiten um ein altes Ding wegzuschmeißen und stattdessen etwas neues zu kaufen, er rollt von Lachen wenn er sieht, dass sein Plan ihm völlig gelungen ist – die Menschen von einander zu trennen, die Liebe durch Konsum und Transaktion zu ersetzen, jeden einzelnen von uns im finsteren Gefängnis seines eigenen Egos einzusperren, bewacht von kranken Gedanken, Zielen und Leidenschaften.

Vielleicht eben deswegen ist die Voraussetzung der Freiheit und der Nachfolge Christi – denn nur Christus uns frei machen kann – ALLES aufzugeben. Völlig neu anzufangen. Ohne nichts diese Welt zu verlassen – denn alles was dieser Welt gehört, muss auch hier bleiben. Mit dem weltlichen Koffer werden wir nie ins Himmelreich eingelassen. Es gibt nur ein Weg aus dieser Sklaverei befreit zu werden – alles verkaufen, auf alles verzichten, was dem Fürst dieser Welt gehört. Denn erst dann können wir die Liebe, die nicht von der Welt ist, finden und erleben. Erst dann, wenn wir unser Ego begraben haben, können wir frei sein – um das zu erwerben, was nicht käuflich ist, müssen wir alles verkaufen, was käuflich ist.

Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein. (Mk 10).

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