Zeit für Katakomben?

„Wenn es also Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen“ (Phil 2, 1-4).

Die Kirche Christi ist die Gemeinschaft der Märtyrer. Die Kirchenväter unterscheiden so drei Phasen der Kirchengeschichte. Die Zeit der Verfolgungen vor Konstantinos, als abertausende von Christen für ihren Glauben gestorben sind. Die Zeit nach Konstantinos, als die monastische Bewegung entstand, als die Antwort auf die kontinuierliche Verweltlichung der Kirche – die Zeit des asketischen Märtyrertums. Und die moderne Zeit – die Zeit in der Welt, in der sogar die klösterliche Mauer viel zu oft undicht sind, um die Welt außerhalb zu halten – ist die Zeit des persönlichen Märtyrertums. In der Tat, wo soll denn heute ein suchender, moderner Mensch sich begeben? Wo findet er heute Starzen und Heiligen? In der Welt erfüllt mit Häresien und Irrlehren, New Age und verweltlichten Kirchenstrukturen. Wo findet der ernsthaft nach dem ewigen Leben Suchende einen Begleiter auf dem engen, fast unsichtbaren Weg in das Himmelreich. Wo ist der Unterschied zwischen der Welt und den Christen, die heute in der Welt leben?

In der Zeit des Kommunismus in der UdSSR, als die Kirche sichtbar vom Feind verfolgt wurde, bildeten sich die Katakomben-Kirchen. Das waren die Gemeinschaften vom Gläubigen, die für Christus leben und sterben wollten, die bereit waren für Ihn zu leiden und alle weltliche Nachteile zu tragen. Im Westen wurde das Christentum gänzlich durch Bequemlichkeit und Konsum erstickt. Die Christen sind hier satt geworden. Sie arbeiten viel mehr darauf, um ihr weltliches Komfort zu sichern. Nicht dass sie nicht bereit wären für Christus zu leiden, sie sind viel zu oft nicht einmal bereit sich von ihrer Sofa aufzuheben um in die Kirche zu gehen. Das Evangelium spielt hier keine wahre Rolle. Alles kann so interpretiert werden, dass es einem passt, ohne ihn zu irgendetwas aufzufordern. Die Christen hier gehen auf dem breiten Weg direkt ins Verderben. Ob sie das merken oder nicht. Aber ich denke schon, dass sie das merken.

Westen braucht dringend eine neue Katakomben-Kirche. Eine Kirche und Gemeinschaft von Menschen, die alles bereit zu opfern sind, um Christus nachzufolgen und nach Seinem Wort zu leben. Christen die bereit sind neue Märtyrer zu werden – die ihr eigenes Ego auf dem Holz des Kreuzes kreuzigen und sterben lassen. Christen die bereit sind auf das Komfort und auf die Bequemlichkeit dieser Welt zu verzichten und um Christi Willen Pilger werden, die nur noch das Himmelreich suchen. Die keine Angst haben, von der Welt verhöhnt und von den Menschen abgelehnt zu sein um Christi Willen und den Schmach Christi für größere Ehre halten, als alle Ehrentitel und Eitelkeiten dieser Welt. Christen die zusammen mit dem dem hl. Apostel Paulus laut sagen können: „Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in Ihm zu sein“ (Phil 3, 7-9). Christen, die bereit sind Märtyrer in dieser Welt zu werden, Christen, die fürchten nichts außer Gott, hassen nichts außer Sünde und wissen nichts außer Christus, dem Gekreuzigten. Christen, die bereit sind Narren um Christi Willen zu werden, um die Weisheit dieser Welt zu beschämen, sodass die wahre Wahrheit Gottes durch sie offenbart werden kann.

Nur diese Katakomben-Kirche kann dafür sorgen, dass die Menschen die in dieser Welt noch das Licht Christi sehen und dass vielleicht noch einige gerettet werden können. Möge diese Kirche noch entstehen – und mögen wir ihr zugehören! „Lasst uns also zu Ihm vor das Lager hinaus ziehen und seine Schmach auf uns nehmen. Denn wir haben hier keine Stadt, die bestehen bleibt, sondern wir suchen die künftige“ (Hebr 13, 13-14).

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Eine Antwort zu Zeit für Katakomben?

  1. Matthias Katze schreibt:

    Lieber Bruder Ignatius, Dein Artikel hat mich sehr bewegt. Es stimmt, was Du schreibst. Die heilsbringende Botschaft Christi wird oftmals auch in den Kirchen derart uminterprtiert und nichtbiblische Lehren werden den Gläubigen als Wahrheit nahe gebracht. Vertritt man die Heilsbotschaft Christi, da kann es selbst in der Kirche geschehen, dass man als „Fundamentalist“ hingestellt wird. Aber was soll`s, es gilt nach wie vor das heilige Wort Christi und darauf baue ich. Mir ist die Gnade des Glaubens geschenkt worden und Geschenke wirft man nicht weg, sondern man hält Sie in Ehren.

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