Liebe und Einheit

Zu lieben bedeutet in dieselbe Richtung zu schauen. Nicht umsonst wird die Liebe als der Maßstab des Christentums gesetzt. Ausgerechnet an der Liebe werden alle Menschen der Welt die Nachfolger Christi erkennen.  „Ein neues Gebot gebe Ich euch: Liebt einander! Wie Ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr Meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13, 34-35).

Aber was bedeutet das, einander zu lieben? Christus gibt ein neues Gebot: „Liebt einander“. Was ist aber an diesem Gebot neu? Sprach Gott etwa nicht schon vorher am Berg Sinai: „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“? Die Nächstenliebe ist jedoch ein anderes Gebot. Man muss kein Christ sein, um seinen Nächsten zu lieben. Die Liebe, an der die Jünger Christi erkannt werden, ist jedoch einer anderen Art. Diese Liebe äußert sich in der Einheit. „Alle sollen eins sein: Wie Du, Vater, in Mir bist und Ich in Dir bin, sollen auch sie in Uns sein, damit die Welt glaubt, dass Du Mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Die Liebe ist von der Einheit des Glaubens nicht trennbar. Beide sind die zwei organischen Teile eines ganzes. An der Liebe wird die Welt die Jünger Christi erkennen und allein durch ihre Einheit wird die Welt zum Glauben kommen, dass Christus von Gott gesandt wurde. „ … denn sie sollen eins sein, wie Wir eins sind, Ich in ihnen und Du in Mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass Du Mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie Mich“ (Joh 17, 22-23).

Die Kirche nach ihrer Geburt am Pfingsten hat genau das gelebt und das war der einziger Grund, warum so viele Menschen auf die Botschaft gehört haben und das ist eben der Grund, warum die Welt heute die Christen überhaupt nicht mehr ernst nimmt. „Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam“ (Apg 2,44). Die zwei Hauptzeichen der Nachfolgerschaft Christi fehlen – die Liebe und die Einheit. Das geschieht möglicherweise weil die Kirchen und die Christen wollen immer die Wahrheit zu besitzen. Aber die Wahrheit kann man nicht besitzen. Der Wahrheit kann man nur gehorchen und sie lieben. Während es ist unmöglich eine menschliche Gemeinschaft zu etablieren, ohne sie gleichzeitig zu institutionisieren, wird sie völlig nutzlos wenn sie ihren Kern aufgibt. Die Christen aus verschiedenen Kirchen beweisen einander, dass eine Gruppe richtig glaubt und die anderen falsch. Das kommt aus diesem absurden Anspruch die ganze Wahrheit schon erkannt zu haben und sie besitzen zu können. Sie vergessen, dass Christus selbst ist die Wahrheit. Er ist allein die Wahrheit. Und es gibt keine andere Wahrheit außer Ihm. Nur der menschliche Stolz, der Wurzel von allem Bösen und die größte Sünde, führt immer wieder zu Trennungen unter den Christen und verschleißt sie im engen Gefängnis ihres vom Stolz verblendeten Geistes. Es gibt nur eine Kirche, es gibt nur ein Leib Christi und er besteht nicht aus den tausenden Spaltungen und Gruppierungen die meinen, die Wahrheit „besser“ erkannt zu haben, während alle andere sich irren. Alle diese Gruppierungen oder Abspaltungen – oder Sekten – egal wie zahlreich, angesehen und etabliert sie sein mögen – haben vom wahren Weinstock abgefallen und führen nur noch ihre eigene Existenz außerhalb des Leibes Christi. Sie spielen in der Religion. Es gibt Menschen, die spielen in großen Vereinen, andere in kleinen. Aber wenn sie keine Gemeinschaft ist, die durch Liebe und Einheit versiegelt ist, solange eigenes Ego, eigene Glaubenssätze, eigene Versuche die Wahrheit, das Wort Gottes, an eigenes Leben anzupassen bestehen, ist es keine Kirche Christi.

„Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt“ (Eph 4, 14-15) schreibt der hl. Apostel Paulus. Und setzt fort: „Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden“ (2 Tim, 4,3-4). Wahrlich ist der Pfad ins Himmelreich ein enger Pfad – und wahrlich nur wenige werden ihn finden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch von Pater Ignatius abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.