Christliches Leben ist keine Autobahn

Christliches Leben ist keine Autobahn, auch keine Schnellstraße. Christliches Leben ist ein schmaler Pfad des ständigen Aufstiegs aus Welttal ins Himmelreich. Dieser Aufstieg ist langsam, steil und hart. Und immer wieder werden wir von den vielen Dingen dieser Welt abgelenkt, manchmal verirren wir uns, manchmal verlieren wir den Weg. Dabei wünschen wir uns, dass alles reibungslos und schnell geht. So vergiftet sind wir vom ständigen, weltlichen Verlangen nach „Erfolg“, von der ständigen „keine Zeit zu verlieren, sondern immer effizient zu sein“, so gewöhnt sind wir, dass alles bequem und ohne Anstrengung geschehen muss, dass wir öfters vergessen, worum es in unserem Leben als Christen eigentlich geht und wenn die kleinsten Schwierigkeiten auftreten, verlieren wir den Mut.

Der schmale Pfad hat jedoch eine andere räumliche und zeitliche Dimension. Oder besser, gar keine. Denn der schmale Pfad ist der Pfad der Ewigkeit und ist jenseits der Zeit. Er ist unendlich, und ist deswegen jenseits des Raums. Und jeder, der auf dem schmalen Pfad der ständigen Buße, der Rückkehr zum Vater, der Wiederherstellung des Abbildes Gottes in uns sich befindet, weiß auch, dass es kein Zurück mehr gibt. Egal wie oft wir fallen, egal wie oft wir uns verirren – es gibt nur ein Weg und nur eine Richtung – nach Vorne!

Als Christen müssen wir uns auch damit abfinden, dass unser Leben ein ständiger Kampf ist. Unser Widersacher, der Satan, geht wie ein brüllender Löwe uns sucht, welche Seelen er noch zerstören kann. Als Christen sind wir immer im Zustand der spirituellen Kriegführung. Der Feind unserer Seelen schlummert nicht. Deswegen müssen auch wir immer wach bleiben.

Der schmale Pfad beginnt mitten in der gefallenen Welt – mitten in unserer eigenen gefallenen und von Gott getrennten Natur. Er beginnt in der Sklaverei der Sinnen, Lüsten, Leidenschaften, die über uns herrschen und uns bestimmen. Im spirituellen „Ägypten“, neben dem Pharao und seinem mächtigen Heer, der uns beobachtet und alles tun wird, um uns zu verhindern das Land der Sklaverei zu verlassen. Aber wir uns fest entschlossen haben, Christus unserem Herrn zu folgen und wirklich folgen Ihm und Sein Wort erfüllen, dann geschehen Wunder in unserem Leben, wie mit den Kindern Israels. Wir werden aus unserem eigenen Ägypten befreit. Aber damit haben wir das Ziel noch längst nicht erreicht.

Der schmale Weg verläuft dann weiter nicht durch schöne Weinberge sondern durch die trockene, leeren, leblose Wüste. Ohne Wasser, ohne Bäume. Es ist kein Vergnügen in dieser Wüste zu sein und schon nach eine kurze Zeit können auch wir unseren Mut verlieren und für einen kurzen Moment uns wünschen, hätten auch wir im Ägypten an unserem „Fleischtopf“ geblieben. Aber nur in der Wüste, in dieser absoluten Leere und Stille, wo uns nichts mehr ablenken kann, können wir lernen die Stimme Gottes zu hören. Diese Zeit in der Wüste haben unsere heiligen Kirchenväter als Zeit der „Entleerung“ beschrieben. Befreit aus dem Chaos der Gefühle, Sinne und Gedanken, müssen wir uns völlig entleeren, damit eine neue Ordnung entstehen kann. In der Wüste werden wir „arm im Geiste“.

Aber auch dort erwarten uns unzählige Kämpfe. Mit uns selbst und mit den Feinden unserer Seelen. Das Volk Israel musste 40 Jahre in der Wüste bleiben, bis alle Israeliten die noch in Ägypten geboren waren und die Sklavenmentalität  hatten, ausstarben. In das gelobte Land durften nur neue Generation, in der Wüste geborenen Menschen eintreten. So ist es auch in uns. Wir werden so lange in der Wüste gehalten, bis der „alte Mensch“, unser Ego und alles was uns noch an die Welt bindet stirbt und ein neuer Mensch in Christus Jesus geboren wird. Nur dieser Neue Mensch, diese Neue Schöpfung, kann das Gelobte Land erben.

Deswegen verzweifeln wir nicht in der Wüste! Sondern danken Gott dafür und wandern zusammen mit Ihm, wohin Er uns auch führen mag. Diese Zeit in der Wüste ist eine sehr trockene, aber keine verlorene Zeit. Unser alter Mensch muss dort sterben und begraben werden, damit wir den Neuen Menschen, wiederhergestellten nach dem Abbild Gottes,  „anziehen“ können. In der Wüste werden alle unsere Sinne erneuert, damit sie Sinne Christi werden können. In der Wüste, am Ort der Buße und Metanoia, verwandelt unser gefallenes Verstand ins Verstand Christi.

Niemals dürfen wir den Mut verlieren, sondern fest im Glauben bleiben, dass Gott uns nie alleine lässt und in uns angefangenes Werk der Erlösung auch vollenden wird. Folgen wir nur Ihm allein und bleiben wir Ihm immer treu. Und wenn wir Ihm untreu geworden sind, dann wissen wir, dass Er uns unermüdlich zurück ruft! Er verlässt die 99 Schafe und geht nach uns, das verlorene Schaf zu suchen, bis Er uns gefunden hat. Wenn wir wieder und wieder erkennen, dass wir uns geirrt und untreu geworden sind, dann warten wir keine Sekunde, sondern laufen zurück in die Armen unseres Vaters, der nach uns die ganze Zeit Ausschau hält. Und bleiben wir bei Ihm! Es werden Kämpfe geben, die wir gewinnen werden. Und es wird auch Kämpfe geben, die wir verlieren werden. Aber auch nach jedem verlorenen Kampf sollen wir sofort aufstehen und weiter dem schmalen Pfad des Aufstiegs zu Gott folgen! Und Er ist treu, uns in allem zu helfen.

Leben wir im unbegrenzten Vertrauen auf unseren Gott, leben wir in der unbeschränkten Hingabe an Ihn, bringen Ihm wir uns gänzlich als Opfer, das Ihm wohlgefällt! Gehen wir raus aus dieser Welt – verlassen wir sie für immer! Denn sie bietet uns nichts, was wir wollen oder was vom Wert ist. Gott hat uns berufen, wie Er zu sein – Er möchte mit uns Seine Natur und Sein Leben zu teilen. Können wir Seine Liebe ablehnen? Oh nein! Verlassen wir alles und folgen wir Ihm – überall! Bis Er uns in unsere himmlische Heimat sicher gebracht hat, in der wir zusammen mit Ihm zum Mahl des Lammes eingeladen sind! Gehen wir jetzt!

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