Christliche Berufung heute

Die Hauptaufgabe des Mönchs in unserer Zeit ist vor allem ein Zeuge Christi zu sein, derjenige, der wie Apostel Paulus schreibt: „die sehnsüchtig auf Sein Erscheinen warten“ (2 Tim 4,8). Diese eschatalogische Erwartung prägt das Leben jeden einzelnen Christen – denn jeder von uns ist berufen ein Mönch zu sein – von der Zeit unserer heiligen Taufe. Heiliger Johannes Chrysostomos schreibt über die Taufe durch Untertauchen: „Gehen ins Wasser und Untertauchen im Wasser symbolisiert Abstieg in die Hölle und Wiederkehr ins Paradies“. Taufe bedeutet nicht nur Sterben und Auferstehung mit Christus, sondern auch Abstieg in die Hölle, tragend die Sorge des Hohenpriesters Christus um das Schicksal denjenigen, die die Hölle für sich gewählt haben. 

So wie das im Johannes Evangelium geschrieben steht (3,16; 12,32), Gott hat eine in der Sünde untergegangene Welt geliebt, eine rebellische Welt, eine Welt die in der höllischen Widerspenstigkeit gegen Gott bleibt. Die heiligen Kirchenväter haben darüber geschrieben: „Gott kann alles. Außer den Menschen zu zwingen Ihn zu lieben“. Ganz bewusst und achtsam, ohne irgendetwas zu übertreiben, übergibt sich die Kirche der göttlichen Gnade und betet ohne Unterlass für alle Lebende und Verstorbene.

„Das Himmelreich ist unter uns“, und seine Erscheinung bedeutet dass sein Gegensatz, die Hölle, ist auch unter uns und in uns, denn die Hölle ist nichts anders als ein Ort, aus dem Gott ausgeschlossen wurde. Wir alle kennen die Hölle – das ist die moderne Welt, die Gott verlassen und sich auf der Verneinung von Gott gebaut hat.

Je mehr die Menschen verlieren ihre Hoffnung und ihren Glauben und absteigen lebendig in die Hölle und in die Mach des Satans, um so mehr ruft das Evangelium den Gläubigen die „Berge zu versetzen“. Vielleicht bedeutet diese Aufforderung nichts anders, als den höllischen Berg dieser Welt zu versetzen – aus dem Bereich der Gottlosigkeit an den strahlenden und mit dem Heiligen Geist erfüllten Ort der Pfingsten.

Da Mönchstum, immer eschatalogisch orientiert, hat schon Mal die Welt verändert. Heuet sind alle Christen berufen, ob im Kloster oder in der Welt – monastisch zu leben. Die monastische Regel gelten jeden – ob verheiratet oder nicht, ob im Kloster oder in der Welt. Es gibt nur ein einziger Weg der Erlösung – der schmale Weg.

Paul Evdokimov

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