Was bedeutet, nicht von der Welt zu sein?

Ein Christ ist jemand der in der Welt aber nicht von der Welt ist. Bei sehr vielen Christen, scheint es mir, das umgekehrt zu sein.

Nicht von der Welt zu sein bedeutet: anders zu denken als die Welt; anders zu sprechen als die Welt; anders zu handeln als die Welt; anders zu kleiden als die Welt; an anderen Dingen Freude zu haben, als die Welt; eine andere Art von Beziehung mit den Menschen zu führen, als die Welt; andere Ziele zu verfolgen als die Welt; andere Werte zu vertreten als die Welt. Kurzrum: anders zu sein, oder nicht von der Welt zu sein.

Anders zu sein bedeutet gleichzeitig heilig zu sein. Denn das hebräische Wort „kadosch“ – heilig, bedeutet „anders“, „abgetrennt“. Gott ist heilig – Er ist anders als diese Welt. Und Seine Kinder sind berufen auch heilig zu sein – also anders, nicht von dieser Welt. Als Kinder unserer Eltern teilen wir die Natur unserer Eltern. Wir ähneln ihnen physisch, wir erben von ihnen ihre Genen und wir bekommen auch öfters ein Päckchen von ihnen mit – die ihre Talente wie auch ihre Probleme und Knoten beinhalten. Wir teilen die Natur unserer Eltern.

Die Heiligen Schriften lehren, dass die Kinder Gottes die Natur Gottes teilen. Wenn wir beten: Vater unser, implizieren wir damit, dass Gott unser Vater ist. Wenn das zutreffend sein soll, müssen wir ein Teil an der Natur Gottes haben. Wir müssen anders sein – heilig – nicht von dieser Welt.

Wir leben in einer vom Christentum geprägten Welt. Aber diese Welt ist keinesfalls christlich. Die Welt ist weltlich. Und so ist auch die weltliche Kirche. Und wir, Christen, haben immer wieder Angst, anders zu sein als die Welt. Dafür gibt es viele Gründe. Wir wollen von den anderen Menschen akzeptiert und anerkannt, gemocht und bejaht werden. Wir wollen nicht ausgelacht oder für Verrückten gehalten werden. Also versuchen wir immer wieder einen mittleren Weg zu gehen – ein bisschen christlich und ein bisschen weltlich zu sein. Das Problem ist natürlich, dass es keinen mittleren Weg gibt. E gibt nur eine Illusion des „mittleres Weges“ in der wir leben und die wir uns einbilden. So merkt gar keiner, dass wir Christen sind – denn wir unterscheiden uns gar nicht von der Welt. Und wenn es uns passt, dann zeigen wir ein wenig von unserer Frömmigkeit, so wie in einer Kirche zum Beispiel. Und diejenige, die das wissen dürfen, erfahren es auch.

So werden wir als Christen nicht ausgelacht, nicht verfolgt, nicht gehasst und nicht gehört. Weil wir unterscheiden uns von den anderen nicht. Die Welt hat kein Problem mit solchen Christen – die sind gar keine Bedrohung. Deswegen kann man sie mögen oder ignorieren. Aber sie ernst zu nehmen? Wieso? Sie sind ja allen anderen Kindern der Welt in allem gleich.

Aber was passiert, wenn wir es wirklich wagen an der Natur Gottes teil zu haben und Sein Leben und Seine Heiligkeit – andersSein – mit Ihm zu teilen? Was passiert, wenn wir wirklich nicht mehr von der Welt sind? Wollen wir das? Oder lieben wir die Welt doch mehr als Gott und das Christentum ist für uns bloß ein nettes Spiel? Das Licht und die Finsternis haben nichts gemeinsames. Wir können uns einreden und uns beruhigen, wir seien im Licht wobei wir ganz bestimmt in der Dunkelheit sind – und jeder weltliche Mensch wird es uns bestätigen. Wenn wir von der Welt geliebt sind, sind wir definitiv keine Christen – denn die Welt liebt nur ihre eigene Kinder.

Vielleicht eben deswegen hat Christus so oft von den Verfolgungen, von der gespaltenen Familien, von der Feindschaft und Verluste gesprochen hat. Vielleicht eben deswegen ist die Kirche auf dem Blut von Märtyrer gebaut wurde. Vielleicht eben deswegen mussten die heiligen Väter und Mütter immer von der Welt oder auch von der weltlichen Kirche weglaufen und in der Wüste zu leben. Wahrscheinlich eben deswegen kam die monastische Bewegung hoch – als die weltliche Kirche ein Teil dieser Welt geworden ist. Aber die Wahl liegt immer an uns. Wir entscheiden, ob wir Gott oder der Welt und den Menschen gefallen möchten. Ob unser Zuhause hier auf der Erde oder doch im Himmel ist. Ob wir lieber für Christus verfolgt oder von der Welt gemocht werden möchten.

Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid – schreibt der hl. Apostel Paulus. Lasset uns Buße tun, liebe Geschwister. Lasset uns zurück zu unserem Gott kehren! Lasset uns das sein, was wir berufen sind zu sein. Lasset uns anders sein, als die Welt. Egal ob die Welt uns dann für verrückt oder was auch immer anders erklärt. Egal. Egal ob sie uns verfolgt. Aber unsere Stimme wird dann auch gehört und wahrgenommen. Und so wird das Evangelium wahrlich verkündet! Die Zeit ist Jetzt! Verlieren wir keine einzige Stunde.

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