Paul Evdokimov über die Kirche

Die Kirche.

Vom architektonischen Gesichtspunkt aus ist die Kirche gegen Osten gerichtet, von woher Christus kommen wird. Wie ein Schiff schwimmt sie in der eschatologischen Dimension und steuert den Christus-Aufgang zu.

Im Innern der Kirche erklären die liturgischen Kommentare dem Symbolismus der Heiligen Pforte, der Ikonostase und zeigen darin Christus, die Tür, „durch die ihr den Himmel offen sehen werdet“ (Joh 1,51). Die Heilige Pforte öffnet sich auf den Altar hin, das ist Christus, der führt und in sein Innerstes einführt. Dieser Hohe Ort des Opus Dei erhebt sich zum Mittelpunkt der sakralen Komposition des Kultes. Um ihn herum spielt sich die liturgische Handlung ab und entfaltet sich lebenspendender Glanz der heiligen Dinge: der Himmel, wo sich der Dreieinige bewegt, der auf die Erde herabsteigt“ (St. Germanus).

Der Altar stellt den himmlischen Altar vor und, in einer mysterischen Metapher, Christus selbst. Das Kreuz hinter dem Altar – immer ohne Corpus -stellt das himmlische Urbild dar, das Bild der Liebe Gottes. Das auf dem Altar gestellte Kruzifix führt uns über das irdische Kreuz hinaus zu dem nackten Kreuz, damit wir das Kreuz schauen, das in den Kreis des innergöttlichen Lebens eingeschrieben ist, von dem die Ikone der Trinität von Rublev mit unendlich nuancierter Suggestion spricht.
Das Gottesvolk, das ehemals im Tempel von Jerusalem versammelt war, ist nun in Christus vereinigt. Von da an überschreitet die Kirche als Ort der Gotteserscheinung jeden geographischen Ort, jede Grenzform. Der heilige Raum der Kirche durchdringt den kosmischen Raum und dehnt sich auf die „heiligen Städte“ aus, Jerusalem, Rom und jede Stadt, die durch Gotteserscheinungen ausgezeichnet ist und schafft so Heiligtümer und Wallfahrtsstätten, wo Himmel und Erde sich sichtbar begegnen. Das Wort des Evangeliums, „Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter, bedeutet, dass es viele, „kosmische Zentren“ gibt, dass Rom und Jerusalem sich an jedem Ort befinden, wo die Kirche sich in der Feier der Eucharistie kundtut. In diesem Sinn muss man den Widerstand des heiligen Gregor von Nyssa gegen die Pilgerfahrten ins Heilige Land verstehen. Nicht das Prinzip des Geweihten wird verneint, sondern der rein statische Aspekt wird abgelehnt.

Vom Bild gehen wir zur Wirklichkeit über, zur Gegenwart Christi in jeder Kirche, aber auch in seinem Wort, in der Eucharistie, in jedem Menschen, insofern er Ikone Gottes ist: „Deinen Bruder sehen, heißt Gott sehen“ nach einem Angraphon, das Klemens von Alexandrien zitiert.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.