Respekt, Demut, Gehorsam – das Fundament des Lernens

„Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi“ (Gal 1,10)

„Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mat 28, 19-20)

In der Welt geprägt durch Egozentrismus und Individualismus gehen alle gemeinschaftliche Werte und Fähigkeiten verloren. Der Mensch reagiert nur aus seiner „ich“ Perspektive – die meistens sehr beschränkt und kurzsichtig ist. In dieser „ich“-Welt gibt es niemanden anderen außer ihn selbst. Alle andere stehen draußen. Das ist eine sehr einsame und in-sich-selbst-verlorene Welt. Es wird immer wieder geklagt, dass Menschen nicht mehr miteinander kommunizieren können. Und in der Tat, die meisten zwischenmenschliche Beziehungen scheitern ausgerechnet an Kommunikationsmangel. Menschen reden an einander vorbei – weil es keinen gegenüber außer sich selbst in der Wirklichkeit gibt.

Seit Jahrtausende arbeiten Menschen gemeinsam um das Babylonische Turm zu bauen. Ein „Turm“, das bis zum Himmel reicht! Ein „Turm“, das den Menschen zu „Götter“ machen sollte. Aber da vermischen sich ihre Sprachen – sie können einander nicht mehr verstehen. Sie reden an einander vorbei. Und alle Therapien und Kommunikationsberater können nur bedingt helfen. Der Mensch bleibt in seinem eigenen Ego gefangen und das Ego toleriert niemanden außer sich selbst. Es kann keinen Gegenüber geben. Ego ist der Absolut.

Mit dem Scheitern an Kommunikation miteinander, ging den Menschen im Westen eine der wichtigsten Fähigkeiten verloren: zu lernen. Um irgendetwas zu lernen müssen wir dem anderen Menschen Autorität zugestehen. Wir müssen gehorsam werden. Wir müssen uns zu Schüler machen. Das ist was Christus auch Seinen Aposteln befehlt, als Er sie in die Welt schickt: „macht Schüler!“ sagt Er. Nicht Gläubige, nicht Kirchenmitglieder – Schüler! Menschen, die fähig sind zu lernen. Menschen, die gehorsam sind. Ein stolzer Mensch kann nie etwas lernen. Das ist vielleicht der Grund, warum wir heute so wenige Professionelle, Fachmänner und so viele Dilettanten in allen Branchen haben. Inkompetente Menschen, die nicht fähig sind, uns zu adäquat zu beraten.

Diese allgemeine Inkompetenz hat natürlich auch die westliche Kirche getroffen. Weil sie die Disziplin der Lehrer – Schüler Beziehung aufgegeben hat. Kein Wunder, denn um zu lernen benötigt man all die Qualitäten, die wir heute nicht einmal aussprechen können, ohne dafür beschimpft und als Fanatiker beurteilt zu werden. Um zu lernen braucht man Respekt, Gehorsam, Demut und Fleiß. In der Welt wurden stattdessen völlig verschwommene Konzepte wie „Liebe“ (was bedeutet ung. fühl dich frei einen anderen zu nutzen, um deine eigene Bedürfnisse zu erfüllen), „Freiheit“ (was bedeutet, sei ruhig Sklave aller deinen Trieben, Leidenschaften, Lüsten – und die Wirtschaft und das Konsum werden schon dafür sorgen, dass deine Taschen leer werden), „Individualität“ (was bedeutet, dass jede andere Meinung dir egal sein sollte – bleib einsam in deinem Ego gefangen und befriedige dich mit sinnlosen, materiellen und vergänglichen Gütern).

Ich bin unendlich dankbar, dass ich die Kunst des Lernens noch erleben und gelernt durfte. In Russland und in Israel. Wo der Lehrer, Priester oder geistlicher Begleiter wird immer noch als Vater angeredet, wo wir ihn mit Ehrfurcht und Respekt begegnen, weil wir von ihm lernen wollen. Und weil er uns nicht ein theoretisches Wissen beibringt, sondern uns den Weg des Lebens zeigt.  Zeigt – d.h. wem wir folgen können. Dasselbe habe ich auch in den anderen Religionen gesehen, wie im Judentum, Islam, Buddhismus. Nur das verwestlichte Christentum hat diesen Weg aufgegeben, um modern und fortgeschritten zu erscheinen – aber als Resultat zu einer Religion von unfähigen zu lernen Dilettanten geworden ist – die kaum jemand hier im Westen noch ernst nimmt. Und von Folgen oder gehorsam sein kann wohl gar nicht mehr die Rede sein.

Wenn das Christentum in Westeuropa dringend braucht, ist diesen Weg des Lernen wiederherzustellen. Keine Angst von den Menschen zu haben – denn noch leerer können wohl die Kirchen gar nicht mehr werden – also es kann nur besser werden. Respekt, Gehorsam und Demut sind die Heilmittel die den kompletten Untergang des abendländischen Christentums noch verhindern können. Schüler zu mache, hat uns Christus ausgesandt! Dann lasset uns endlich Lehrer sein! Lehrer, von denen man lernen kann und denen man folgen kann. Lehrer, die leben das, was sie lehren und predigen. Gott erbarme sich unser und mache uns zu Seinen wahrhaften Diener, die Seine Schafe zum Vater führen können! ++

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