Durch die fremde Welt

Mein Sohn, wenn du dem Herrn dienen willst, dann mach dich auf Prüfung gefasst! Sei tapfer und stark, zur Zeit der Heimsuchung überstürze nichts! Hänge am Herrn und weiche nicht ab, damit du am Ende erhöht wirst. Nimm alles an, was über dich kommen mag, halt aus in vielfacher Bedrängnis! Denn im Feuer wird das Gold geprüft und jeder, der Gott gefällt, im Schmelzofen der Bedrängnis. Vertrau auf Gott, er wird dir helfen, hoffe auf ihn, er wird deine Wege ebnen. (Sirach 2, 1-7)

Es ist schwer in einem fremden Land zu leben. Je länger ich hier bin, desto bewusster nehme ich es war – andere Sprache, wie auch schön sie sein mag, wird nie zur Muttersprache; andere Mentalität – auch wenn man dieselbe Sprache spricht, versteht man einander öfters nicht. Nie „Wellenlänge“ ist halt anders. Und so reden die Menschen an einander vorbei; die Denkweise – hier im Westen, wo alles leicht zu haben ist oder mindestens leicht zu haben sein muss, die überfüllten Kühlschränke die danach in den überfüllten Mühleimern landen, die leeren Kirchen, die unendlichen Ansprüche bedient zu werden. „Kunde ist halt König“. Und fast jeder hier in diesem Land sieht sich als Kunde. Nur die wenigsten sehen sich als Diener. Und hunderte oder tausende andere Dinge, die einem klar machen, wie fremd man eigentlich in diesem Land ist.

Aber ist das wirklich nur das Problem in Deutschland? Ich bin hier berufen wurde – Gott zu dienen, Sein Evangelium zu verkünden und den Menschen über das Himmelreich und die Möglichkeit der Unsterblichkeit zu erzählen. Ich bin hier um den Auftrag Gottes zu erfüllen. Und die Erfüllung diesen Auftrags ist das einzige, was mich wirklich interessiert. Dieses „fremd-sein“ bezieht sich natürlich nicht nur auf Deutschland. Meine Erfahrung ist, je weiter wir mit Christus auf dem Weg sind, desto fremder werden wir in dieser Welt. Plötzlich entdecken wir, dass auch die Menschen, die unsere Muttersprache sprechen, verstehen uns nicht und dass wir nicht länger fähig sind, ihnen zu erklären, worum es uns geht und was wir eigentlich machen und warum. Es gibt immer mehr Menschen, die uns verlassen, weil sie nichts mehr mit uns als Christen anfangen können. Da entwickeln sich völlig andere Interessen, Menschen freuen sich über verschiedenen Dinge und verfolgen verschiedene Ziele und gehen denselben Weg – bloß in zwei entgegengesetzten Richtungen. Die eine werden immer mehr von der Welt; die anderen immer mehr nicht von der Welt – sondern vom Himmelreich.

Und für die letzteren wird diese Welt insgesamt immer fremder und der Weg immer einsamer. Irgendwann löst man sich auch von den sentimentalen und bürgerlichen Vorstellungen vom Christentum und Gott – die der Satan den Menschen immer wieder ins Ohr geflüstert hat – die einer kleinen deutschen Familie mit zwei Kinder, einem Mercedes-Benz, den unendlichen Abenden vor dem Fernsehe und dem Vollpension auf Mallorca besteht. Man löst sich vom weltlichen Christentum los, vom Christentum und Gott, der nichts verlangt, keine Entwicklung fordert, jede Sünde bejaht und den Menschen in seiner Ruhe lässt. Und natürlich ab und zu seine metaphysischen Bedürfnisse befriedigt – und sein Appetit in einem Bioladen.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Weg der Nachfolge Christi, der durch Deutschland verläuft, ganz besonders einsam ist. Fast alles ist hier theoretisch. Und wenn etwas nicht theoretisch ist, dann ist es für den Konsum – ob geistlich oder materiell – bestimmt. So einsam ist dieser Weg manchmal, dass ich beginne mich zu fragen, ob dieses Land überhaupt christlich ist? Und wenn ja, wo sind denn die Christen, die nicht das Evangelium und die Bibel an ihre eigene Philosophie und an ihre Lebensart anpassen, sondern diejenigen, die Christus folgen? Denn Christentum bedeutet nichts anders als Christus – der wahre Mensch und wahrer Gott.

Und das macht mir dann der Sinn meiner Aufgabe hier ganz bewusst. Mich an der neuen Evangelistaion des Landes zu beteiligen und den Menschen die frohe Botschaft des Evangeliums zu tragen. Nicht die Botschaft des Evangeliums, die schon modifiziert und den westlichen Standarten und Werten völlig angepasst wurde. Sondern die Torheit des Evangeliums Christi, die die Kraft hat den Menschen aus den Ketten des Todes und der Sünde zu befreien und ihn wieder zum Abbild des Lebendigen Gottes zu machen – damit er wieder die reine und heilige Ikone Christi – die den Vater widerspiegelt werden kann. Möge Gott uns alle helfen – Er vergebe uns unsere Sünden und führe uns zum ewigen Leben! ++

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