Die Wahrheit kann man nicht reformieren

Der moderne Mensch sucht immer nach eine Instanz, die ihm die absolute Wahrheit bestätigen kann. So denken viele Menschen, dass die Kirche so eine Instanz sein soll – die die Wahrheit definiert. So entstehen immer neue Institutionen und Instanzen die meinen, die anderen Instanzen haben die Wahrheit entweder gar nicht verstanden oder sie missinterpretiert und deswegen nehmen sich das Recht die Wahrheit zu formen und zu interpretieren.

Das ist natürlich alles Absurd. Das ist nicht die Kirche, die die Wahrheit und die christliche Lehre formt und definiert, sondern die Wahrheit formt und definiert die christliche Kirche. Jede orthodoxe Kirche kann deswegen in demselben Moment aufhören „rechtgläubig“ (was das Wort „orthodox“ bedeutet) zu sein, in dem sie sich von der evangelischen und apostolischen Wahrheit und der 2000-jährigen Erfahrung der universellen (katholikos) Kirche abwendet. Das ist der rechte Glaube, dass die orthodoxe Kirche „orthodox“ macht und nicht die orthodoxe Kirche, als Synoden und Patriarchen, kurzum Institution – die immer an diese Wahrheit halten müssen um orthodox, also rechtgläubig zu bleiben.

Deswegen kann man das Christentum gar nicht reformieren, genau so wie man die Wahrheit nicht reformieren kann. Die Wahrheit des Christentums und des christlichen Glaubens war und bleibt immer dieselbe. Das liegt an der Gemeinschaft, ob sie dieser Wahrheit zustimmt oder nicht, sie lebt oder sie ablehnt.

Deswegen kann es gar nicht mehr als eine christliche Kirche geben – die Kirche ist entweder christlich oder nicht. Und jedes Versuch die Kirche zu reformieren endete immer im Versuch das Christentum zu reformieren – also die Wahrheit und die Rechtgläubigkeit zu modifizieren – was seit 1054 wie ein Schneeball an Spaltungen und Sekten zunimmt. Und führt in unserer Zeit zu allgemeiner Gleichgültigkeit, die wir „Toleranz“ nennen. „Es ist egal wer und was glaubt, Hauptsache wir mögen einander“.

Aber das ist ausgerechnet durch diesen rechten – orthodoxen Glauben, dass die Glieder des Leibes Christi miteinander verbunden werden. Während verschiedene Glieder des Leibes verschiedene Funktionen und Aufgaben im Leib erfüllen, sind sie immer durch denselben vitalen und organischen Glauben – durch die Treue zur ununterbrochenen Erfahrung der Kirche und in der seit Pfingsten wirkenden Heiligen Geist wirkt – miteinander verbunden. Im Christentum geht es nicht um „einander mögen“, es geht um zusammen in demselben Geist Gott zu dienen, zusammen im christlichen Glauben zu sehen.

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