Die Hauptsache

Wenn man an die Gründung einer Gemeinschaft arbeitet, wird derjenige immer mit neuen Aufgaben gesegnet. Diese Aufgaben wachsen und stapeln sich auf dem Schreibtisch, im Kopf und im Herzen. Es gibt immer Dinge die dringend erledigt werden müssen. Es gibt jedoch ein Bereich im Leben, der niemals vernachlässigt werden darf und der am meisten vernachlässigt wird: das Gebetsleben.

Es gibt nichts wichtigeres im Leben eines Christen als das Gebet. Und auch wenn das Gebet zu unserem inneren Zustand geworden ist, was bedeutet, dass wir eigentlich mehr oder weniger ununterbrochen beten, denn in unseren Gedanken wenden wir uns ständig an Gott – darf unsere Gebetsregel nie vernachlässigt werden. Ganz im Gegenteil, je mehr wir zu tun haben, desto mehr sollen wir die Zeit im Gebet und in der Kontemplation, in dem kontemplativen Betrachtung der Heiligen Schriften und der Schriften unserer heiligen Vätern verbringen.

Es wird mir immer klarer, was das bedeutet „ein Gefäss“, ein Gesandter des Herrn zu sein. Er und nicht ich erfüllt das Werk. Meine Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass für Gott keine Hindernisse in meinem Leben entstehen und das geschieht im Gebet. Das wird immer wieder zu einer harten Übung. Es ist ohne hin schwer für einen modernen Menschen still zu sitzen, still zu sein, in der „Stille wahrnehmen“ – so wie es in unserer Göttlichen Liturgie heißt. Es gibt deswegen keine wichtigere Aufgaben als Gebet. Gebet ist unser Atem. Im Gebet werden unsere Augen geöffnet. Im Gebet werden wir in den Zustand versetzt, indem Gott durch uns erst überhaupt wirken kann.

Und dieses Gebet besteht nicht aus vielen Fürbitten. Das Ziel des Gebets ist die uneingeschränkte Hingabe zu Gott. „Wie Weihrauch steige mein Gebet zu Dir“ – wie Weihrauch soll unser Herz und unser ganzes Sein zu Gott empor steigen. Alles in uns muss auf Altar Gottes gebracht werden, alles in uns muss durch die lebendige Flamme der göttlichen Liebe in das Wohngeruch Seiner Herrlichkeit verwandeln – damit wir so wie das Weihrauch zu Gott empor steigen und nicht wie die toten Samenkörner auf dem Boden liegen bleiben.

Im Gebet sterben wir wahrlich für diese Welt. Und wenn wir erst wahrlich gestorben sind, wird uns wahrlich das neue Leben geschenkt. Denn wer nur macht so ob er gestorben sei, empfängt auch „ein Leben“ so wie ob. Ein Spiel wird mit einem Spiel belohnt, eine Wahrheit mit der Wahrheit. Im Gebet liegt die Wurzel der Metanoia – der Umkehr und der Verwandlung unser gesamten Denkens und damit verbundenen Fühlens und Empfindens. Im Gebet verwandelt unser Verstand ins Verstand Christi.

Wenn ich bis jetzt etwas gelernt habe, dann das ist das: Das Gebet darf nie vernachlässigt werden. Denn es gibt nichts wichtigeres in unserem Dienst als das Gebet – das Gebet der Kirche, des Leibes Christi – das aus dem Gebetslebens jeden einzelnen seiner Glieder besteht.

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