Der Leib Christi ist untrennbar

 

Das Problem des modernen Christentums liegt im theologischen Wissen getrennt von der kollektiven Erfahrung der Kirche. Was natürlich der Hauptunterschied zur Ur-Kirche ist – die kollektive Erfahrung der eucharistischen Gemeinde, die später in der Schriften verfasst und uns überliefert wurde. Die Kirche kennt keine „persönliche“ Offenbarungen und Dogmen, weil in der Kirche keinen „ich“ geben kann,

sondern „ich“ durch „wir“ und „wir“ durch Christus ersetzt werden. Der Mensch entwickelt sich spirituell innerhalb des Leibes, nicht außerhalb, als Teil des Körpers und nicht als ein Zuschauer oder ein selbständiges, von allen anderen unabhängiges Organismus. Wir empfangen und behalten Leben nur durch eine „Adoption“ in den Körper. Der persönliche Wille wird durch den Willen Gottes ersetzt, was die absolute Voraussetzung für die Einheit des Glaubens und Funktionalität des Leibes Christi – der Kirche – ist. Was wäre mit unserem Körper, wenn jeder Glied seine eigene Sache machte, eigenem Willen und eigenen Offenbarungen folgte und den Rest des Körpers im besten Fall ignorierte und im schlimmsten Fall bekämpfte? Unser Körper, genau wie der Leib Christi, lernt von der kollektiven Erfahrung aller einzigen seiner Glieder, die jedoch in absoluter Übereinstimmung und Ganzheit miteinander arbeiten und leben. Ist es nicht so, wird der Körper krank und wird sterben.

Das ist der Grund, warum die Trennung von der Erfahrung der Kirche immer eine Trennung vom Leib Christi bedeutet. Persönliche Erfahrung muss immer mit der Erfahrung des Leibes Christi übereinstimmen, die in der Lehre der Kirche uns überliefert wurde.

Das gilt natürlich auch für die später entstandenen Dogmen – als Abgrenzung von der Häresie, oder einer Lehre, die nicht mit der kollektiven Erfahrung der Kirche übereinstimmt. Ein gutes Beispiel die Häresie zu erklären (was heute kaum jemand noch versteht und denkt, es sei eine Meinungsunterschied, die von den klerikalen Strukturen unterdrückt wurde) finden wir in der Mutterliebe. Wenn eine Mutter jetzt sagt, die Mutterliebe äußert sich indem man das Kind täglich verprügelt und schlecht behandelt, werden wir ihr widersprechen müssen, denn unsere kollektive Erfahrung der Mutterliebe völlig anders ist. In diesem Fall würden wir ein Dogma (Abgrenzung) schaffen und diese andere Sicht als eine Häresie deklarieren.

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