Kirche – vom ich zum wir

Ich höre immer wieder Christen sagen: ICH glaube; ICH denke; ICH will. ICH, ICH, ICH. Sie bekennen sich zur ICH-Religion, die sie freilich an alle ihre Wünsche anpassen können. Die Kirche ist jedoch nicht „ICH“, sondern „WIR“. Der Glaube ist nicht das Eigentum meines Egos. Der Glaube ist gemeinsamer Lebensweg, gemeinsame Überzeugung, gemeinsame Lebenswandel. Nur als WIR werden wir zur Ecclesia – die Kirche. Nur als WIR werden wir am Tisch des Bräutigams im Himmelreich sitzen, nur als WIR dürfen wir von den himmlischen Geheimnissen, in den Sakramenten offenbart, kosten. Das Christentum ist keine beliebige Philosophie, kein Supermarkt, in dem man nur das kauft, was man mag und all das stehen lässt, was man nicht mag. Es kann kein ICH mehr in der Kirche geben, weil jedes „ich“ durch Christus und in Christus verwandelt wird. Es gibt kein ICH mehr in der Kirche, weil jeder Christ ein Teil des lebendigen Leibes Christi ist – dessen Kopf Christus ist.

Das spricht uns unsere Einzigartigkeit nicht ab, ganz im Gegenteil – nur als Teil von WIR, als Teil des Leibes Christi können unsere Talente und Begabungen gänzlich entfaltet und benutzt werden. Aber der Leib Christi, wie jedes lebendiges Organismus, kann nur dann gesund existieren, wenn alle Glieder sich dem Kopf unterordnen und gehorchen und bereit sind, als Teil des gigantischen Orchester zu spielen. Es gibt da keine Solo-Performances. Als WIR gehorchen wir den geistlichen Gesetzen, damit WIR unsere Verantwortung übernehmen und erfüllen – denn wenn ein Glied krank wird, werden auch WIR krank. Und wenn WIR gesund sind, wird auch der ganze Leib gesund. Denn nur als WIR können wir als Christen unsere himmlische Berufung erfüllen.

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